Mittwoch, Juli 09, 2008

Das Hartmut-Wochenende in London

Übers Wochenende war ich in London, meinen Punkt abholen und – natürlich viel wichtiger – Hartmuts Geburtstag feiern. Er wollte an seinem Geburtstag nicht in Berlin sein, und da summierte ich kurzerhand einen Städterennenpunkt und ein tolles Wochenende mit ihm.

Am Samstagmorgen ganz früh ging’s los. So früh, dass ich natürlich nicht dazu kam, zu Hause zu frühstücken, sondern als erste Aktion am Flughafen zu McDonald’s ging und mir dort zwei Cheeseburger reinpfiff, und zwar auf dem Weg von McDonald’s zum British Airways-Schalter. Die bieten ja ab 24 Stunden vor Abflug auf ihrer Webseite Online-Check-in an; find ich gut. Ging auch alles reibungslos. Ich hatte nur meinen prall gefüllten Bundeswehrrucksack; darin meine Freitag-Tasche für die Stadtbummel. Die kleinen Gleitgelpacks sollten ja gerade noch durch die Sicherheitsschranken kommen, mutmaßte ich.

Noch kurz bei Starbucks ein Stück Marmorkuchen eingeworfen und ab zur Security. Die junge Dame fragte mich als erstes: „Haben Sie Flüssigkeiten dabei?“ Und ich antwortete wahrheitsgemäß: „Nur kleine Gleitgelpäckchen.“ Sie lachte verlegen. Ich hatte erfolgreich das „Du kommst auch noch dran“-Gefühl vermittelt. Natürlich interessierte am Sicherheitscheck keine Sau mein Gleitgel.

Der Flug mit der ersten British Airways-Maschine, in der ich saß, war abgesehen von ein paar Turbulenzen ereignislos. Diese Schütteleien brachten mich jedoch einem messbaren Unwohlsein erstaunlich nahe. Ich vermute, das lag an dem fiesen Ham-and-Bacon-Sandwich, das man uns kurz vorher kredenzt hatte. Und natürlich an der Tatsache, dass ich alter Gierlappen wieder einmal wahllos Fraß in mich hineingestopft hatte.

Ich kam in London-Heathrow am Terminal 5 an, das erst seit ein paar Monaten benutzt wird. Das muss, sagte man mir, in der Vergangenheit immer wieder für Negativpublicity gesorgt haben, weil Ressourcen nicht dort ankamen, wo sie hin sollten. Ich glaube, in den Geschichten kam öfter das Wort „Chaos“ vor. Jedenfalls klappte bei mir auf dem Hinflug alles, ich ging ich von Bord und zog guter Dinge zur Underground (der Piccadilly Line Richtung – Achtung! – Cockfosters) weiter. Das Ticket hatte Hartmut mir schon vorher im Internet bestellt und schicken lassen. Noch eine Seite, die ich an ihm großartig finde: Er denkt praktisch und erkennt immer wieder Details, die mir in meiner Impulsivität entgehen.

Die Bahn machte auf dem Weg zum ersten Halt einen solchen Krach, dass ich Ohrstöpsel brauchte. „Guter Start“, dachte ich. Als die Bahn streckenweise den Tunnel verließ, sah ich, dass es regnete. Wie erwartet also, nach der Wettervorhersage, auch wenn für Samstag heiter bis wolkig mit sonnigen Abschnitten Trumpf war. Trotz Regens besah ich mir die Gegend, durch die wir fuhren, las nicht weiter in meinem Buch. Die Fahrt dauerte etwa 50 Minuten bis Leicester Square, wo Hartmut mich abholen wollte

Wir gingen dann mit ein paar Umwegen frühstücken im The Breakfast Club in Soho, einem gemütlichen Café mit gelben Wänden, Holztischen, leckerem Essen und freundlicher Bedienung. Dort trafen wir auch direkt Hartmuts Freund, bei dem wir übernachten würden, und ein paar weitere Freunde. Ein toller Start ins Wochenende und natürlich mein drittes Frühstück. Aber ich war ja auch schon sechs Stunden auf den Beinen.

Beim Herumlaufen in der Stadt fiel mir etwas auf, wozu ich mir vorher keine Gedanken gemacht hatte. In England fahren die Autos ja, wie jeder weiß, auf der linken Straßenseite. Was das praktisch heißt, hatte ich aber nicht bedacht. Denn das ist nicht nur für Autofahrer und Fahrradfahrer vom Kontinent eine Umstellung, sondern auch für Fußgänger. In den zwei Tagen, die ich dort verbrachte, rätselte ich unzählige Male, wieso sich Autos ohne Fahrer von selbst bewegten (hatte nicht auf den Beifahrer geachtet), schaute vor dem Überqueren von Straßen ständig in die falsche Richtung und schätzte die Zeit zum Erreichen der anderen Straßenseite falsch ein. Londons Regierung ist sich des Problems aber bewusst und hat deshalb aus grenzenloser Fürsorge im Zentrum an den Übergängen von Fußweg zu Straße mit weißer Farbe „LOOK LEFT“ oder „LOOK RIGHT“ hinschreiben lassen. Und das kann man wirklich gut gebrauchen. Zu allem Überfluss gibt es dort nämlich natürlich eine Menge Einbahnstraßen, deren System man bei der ganzen Verwirrtheit nicht auch noch oben drauf gebrauchen kann. Es ist ein dauernder Gehirnfick, dem man dort ausgeliefert ist. Ein Glück für mich, dass Hartmut schon mal eineinhalb Jahre in London gelebt hatte und sich noch ganz gut auskannte.

Ach so, noch was:
Ich war verschiedentlich gewarnt worden, wie teuer London sei, und das völlig zu Recht. Wer sich die Preise in London ausgedacht hat, braucht Schläge auf den Hinterkopf. Da kann man für eine 60- bis 70-Quadratmeterwohnung monatlich locker 1.500 Pfund auf den Tisch legen, was bei dem gerade relativ starken Eurokurs immer noch gut und gern 2.000 Euro sind. Aber die geisteskranken Preise herrschen in London überall, nicht wie in München nur bei den Mieten. In London zahlt man für ein Pint (irgendwas zwischen 400 und 500 ml) Bier in mancher „stylischen“ Lokalität schon mal seine 3,50 Pfund, und Essen im Restaurant oberhalb der Economy-Grenze leistet sich vor allem derjenige, den Geld langweilt. Wenn man ausgeht, ist grob gesagt alles eineinhalbmal so teuer wie in Deutschland.

Den Rest des dann doch noch herrlich warmen und sommerlichen Tages verbrachten wir mit Shopping und Stadterkundung. Es war an diesem Tag „CSD“ in London (außer Deutschen kennt ja keiner diesen Ausdruck; im Englischen nennt das jeder „Pride“), aber wir warteten die Parade nicht ab, sondern wühlten uns durch die prall gefüllte Innenstadt, bis wir müde wurden und zu Hartmuts Freund fuhren, der eine sehr schöne Wohnung in den Docklands hatte. Abends trafen wir uns dann zum Essen mit Freunden in einem thailändischen Restaurant, das einen Eindruck von Karibik vermittelte. Die Thaibande war auffällig stark daran interessiert, dass man ginge, wenn man fertig war, aber das Essen war gut. Nach diesem Abstecher waren wir dann aber auch so vollgefressen, dass Hartmut und ich wieder „nach Hause“ fuhren.

Der Sonntag brachte nicht nur schlechteres Wetter als der Samstag, sondern vor allem Hartmuts Geburtstag. Seine Geschenke hatte ich aber nicht mitgebracht, sondern ihm entweder schon gegeben oder in seiner Wohnung in Berlin versteckt, damit ich sie nicht durch die Weltgeschichte fliegen musste. So startete der Tag aber ohne große Überraschung für ihn, was ihm aber auch recht zu sein schien.

Jedenfalls machte der Spaziergang zum Observatorium in Greenwich wegen des Wetters keinen gesteigerten Spaß, auch wenn der Weg durch den Tunnel unter der Themse und die Aussicht vom Observatoriumshügel faszinierend waren. Wir waren am Abend vorher nicht lang wach gewesen und hatten nicht groß gefeiert, waren aber trotzdem ziemlich kaputt und hätten bei unserem Besuch im „First Out“-Café fast beschlossen, wieder „nach Hause“ zu gehen. Um vier Uhr nachmittags. Das taten wir dann aber doch nicht, sondern spazierten noch eine Weile durch die Gegend und aßen, wie schon lang geplant, bei Wagamama zu Abend. Vom Essen im Ansatz vergleichbar mit dem in der Roten Laterne/Konkubine in Düsseldorf, aber viel stärker auf Kantinendurchlauf gedrillt und – natürlich, obwohl auf unteres Preissegment gezogen – eine Ecke teurer.

Am Montag machte Hartmut selbst ein leckeres Frühstück, und dann fuhren wir mit meinem Gepäck wieder ins Zentrum, um noch ein paar Sachen zu sehen, bevor ich zurückfliegen müsste. Er hatte seinen Flug nach Berlin erst am Dienstag und deshalb noch Zeit.

Ich hatte eigentlich nur zum Spaß gesagt, dass ich mal zu Abercrombie & Fitch wollte, aber er führte mich dann tatsächlich dorthin. Das ist ein amerikanischer Klamottenladen, den man mit Fug und Recht als den Laden für Schwule bezeichnen kann. Das Gebäude in der Nähe der Regent Street sah von außen völlig unscheinbar aus. Nur ein Schriftzug auf den Fensterscheiben der zweiflügligen Eingangstür wies auf den Laden hin, keine weiteren Schilder. Als wir vorbeigingen, öffneten zwei junge Männer aus einem Modelkatalog die Türflügel und gaben Sicht frei auf einen dritten, der oben ohne mitten in einem Spotlicht stand, ein kräftiger trainierter Oberkörper und vermutlich ein weicher Keks obendrauf. Wir hätten da eigentlich schon schalten müssen.

Wir dachten uns aber nichts Böses und traten ein.

Das Innere des Gebäudes präsentierte uns eine feurige Mischung aus Nachtclub, Kunstausstellung und Geisterbahn. House-Musik stampfte in deutlich mehr als Zimmerlautstärke, und es gab keine Oberbeleuchtung, weswegen ich nur ahnen konnte, dass die Decken mindestens acht Meter hoch waren. Obwohl die Akustik verlautbarte, dass das Gebäude im Kern aus nur einem großen Raum bestand, wurden wir durch Segmente geführt, die durch gigantische Regalwände den Weg wiesen. Die Regale hatten alle die gleichen quadratischen Innenräume, und das einzige Licht kam von ihrer Innenbeleuchtung. So wanderten wir einerseits tagblind, andererseits von den hellen Regalspots geblendet durch die Räume, und in jedem befand sich nur eine Art von Kleidungsstücken, pedantisch angeordnet in immer den gleichen Regalen, sauber nach Farben sortiert und jede Farbe in einer Regalspalte vom Boden bis zur Decke eingeordnet; meterhoch bis zur Decke. Und in jedem Segmente begrüßte einen ein weiteres Model aus dem Katalog mit einem hippen coolen Spruch. Es war gespenstisch.

Wir waren schnell wieder draußen, schon wegen meiner akuten Angst, von weiteren Zombies angesprochen zu werden. Ich bin weiß Gott kein kontaktscheuer Mensch, aber das war mir deutlich zu viel. Aber wahrscheinlich soll der Londoner Store nichts verkaufen, sondern nur Leute wie mich dazu bringen, davon zu berichten, wie cool der Laden ist. Ist er auch, als Ausstellungsfläche. Als Laden zum Verkaufen eignet er sich wohl nur bei sehr jungen Schwulen, die gern mal „coole Boys“ sehen wollen, oder wie man das heute unter Jungtunten nennt.

Die Zeit lief aus. Wir aßen noch etwas in einem Pret à Manger, und nach ein bisschen weiterer Herumstreunerei machte ich mich dann mit der Piccadilly Line wieder auf den Weg zum Flughafen. Hartmut hörte beim Verabschieden gar nicht mehr auf, wie eine mechanische Figur zu grinsen und zu winken.

Der Weg zum Flughafen war unauffällig, aber der Rückflug sollte noch ein paar Überraschungen im Ärmel haben. Zuerst kannte das Check-in-Terminal meine Buchungsnummer nicht, also zum Schalter. Bei der Security wollte man jetzt doch mein Gleitgel sehen, nahm aber davon keine weitere Notiz, und es fiel den Heinzen auch nicht auf, dass ich das Gleitgel aus einem auf dem Pride-Event abgegriffenen Cruising Pack (Kondom plus Gleitgelpäckchen) vergessen hatte.

Verspätung von 20 Minuten war angesagt; Flugzeug war zu spät reingekommen. Wir konnten aber dann doch einigermaßen rechtzeitig boarden.

Und dann ging’s los.

Mindestens eine halbe Stunde hatten wir in unseren Sitzen verharrt, als der Pilot sich meldete. Es hatte zwischenzeitlich zu schütten begonnen. Wir könnten noch nicht starten, weil wegen des schlechten Wetters die Abflugintervalle auf sechs Minuten erhöht worden wären, sagte er. Außerdem müssten Flugzeuge zum einen oder anderen Ende der Starbahnen, je nach Windrichtung. Wir müssten uns anstellen, wo es derzeit richtig aussähe. Das taten wir also. Das dauerte noch einmal etwa eine Stunde. Voller Häme lachten wir eine American Airlines-Maschine aus, als sich herausstellte, dass die sich wegen gedrehten Windes am falschen Ende angestellt hatte und jetzt zur Warteschlange ans andere Ende musste. Als wir fast an der Reihe mit Take-off waren, kam dann die nächste Durchsage vom Piloten: „Meine Damen und Herren, es tut mir leid, Ihnen das nach der ganzen Wartezeit sagen zu müssen, aber durch genau diese Wartezeit ist uns jetzt der Treibstoff für den Flug nach Düsseldorf ausgegangen. Wir müssen zurück zum Gate und wieder auftanken.“ Natürlich ging ein Raunen durch die Reihen, aber es verhältnismäßig ruhig und höflich, eher ein „tsetsetse“.

Wir rollten also zurück. Wegen des schlechten Wetters hatten aber auch andere Flugzeuge diese Idee gehabt, sodass wir eine weitere halbe Stunde warten mussten, bis wir betankt werden konnten. Das passierte schließlich aber doch noch. Voller Freude vernahmen wir die dann folgende Durchsage des Piloten: „Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen vielmals für Ihre Geduld in dieser frustrierenden Situation, muss Ihnen aber leider mitteilen, dass wir durch die ganze verstrichene Zeit jetzt die Arbeitszeiten unseres Bordpersonals überschritten haben.“ [Diesmal ein deutliches Raunen in der Menge] „Die Herrschaften haben heute Morgen um 7 Uhr mit ihrer Schicht begonnen. Wir müssen das Bordpersonal leider wechseln. Drei neue Crewmitglieder sind gerufen.“

Eine weitere starke halbe Stunde passierte nichts. Nach etwa 40 Minuten dann die nächste Durchsage: „Meine Damen und Herren, ich weiß, wie frustrierend das ist, aber wir können unsere Crewmitglieder nicht finden. Wir wissen nicht, warum sie nicht hier oder wo sie abgeblieben sind. Wir schicken jetzt ein weiteres Mitglied, um noch ein paar zu holen.“ Ich schwöre, es klang wirklich, als hätte man Fritzchen geschickt, um noch ein paar Äpfel im Garten zu pflücken.

Nach noch einmal einer starken Viertelstunde kamen dann tatsächlich drei weitere Crewmitglieder, und ein freudiges Klatschen und Rufen ging durch die Menge. Sie waren tatsächlich noch aufgetaucht. Obwohl ich direkt neben zwei der „alten“ Flugbegleiter stand, als Alt und Neu einander begegneten, konnte ich nicht erfassen, warum das so lang gedauert hatte.

Der Flug selbst ging dann zackig, und auch die Landung in Düsseldorf war unauffällig. Auffällig – auffällig klein nämlich – war dagegen der Hähnchen-Wrap, der uns dann als Snack serviert wurde. Es hatte natürlich niemand damit gerechnet, dass wir zur Zeit des Servierens vier Stunden Verspätung und Bärenhunger haben würden. Mein Magen empfand diese winzige Portion als Affront.

Mit vier Stunden Verspätung kam ich also in Düsseldorf am Flughafen an, nahm dann noch den Bus nach Hause und ließ nur meine Sachen fallen, bevor ich ins Bett fiel.

Samstag, Juni 28, 2008

Die goldene Wurst: Timbaland

Die Geschichte ist schon was älter, aber ich muss es loswerden, weil ich nicht fassen kann, wie dämlich der Typ ist. Kurz zusammengefasst: Der Finne Janne Suni hat vor einigen Jahren ein Musikstück veröffentlicht, das Timbaland kackfrech für sein "Do It" mit Nelly Furtado benutzt hat. Mit "benutzt" meine ich: Stück genommen, Equalizer drüber, Beats dazu, Gesang drüber, fertig. Sieht man hier ganz gut:




Er hat davor natürlich weder um Erlaubnis gefragt noch Geld gezahlt, aber damit nicht genug. Das Schlimme kommt erst noch. Mit dem klaren Bruch der Verwertungsrechte von Janne konfrontiert, sagt der Arsch allen Ernstes (von mir übersetzt):


"Da lach ich drüber. Eins raff ich echt gar nicht. Der Typ kommt an von wegen ich wär zu ihm nach Hause gegangen und hätte was von seinem Computer gestohlen. Ich kenn den mal so gar nicht. Ich bin 15 Jahre im Geschäft. So machst du einen König an? Du greifst mich an? Komm mal klar, Alter. Du bist voll die Wurst. Leute schon so: 'Was gehdn?!?'"[Quelle]

Mit diesem Statement hat er natürlich kein Argument zur Sache auf den Tisch gelegt, aber direkt ein paar andere Fragen beantwortet.

Benimm-Einmaleins bei der Deutschen Bahn

Ich bin so ein krasser Hacker, ehrlich. Und heute bin ich über ein Dokument gestoßen, das mit „Deutsche Bahn - Verhaltensregeln für unsere Mitarbeiter“ überschrieben ist! Hier isses!

1. Durchsagen
Betonen Sie Durchsagen so falsch wie möglich; unser „Durchgestylte Eloquenz In Bahnen Ist Lustig“ (DEBIL)-System macht’s möglich. Beginnen Sie jeden Satz mit mittelhoher Stimme und sprechen Sie dann so lange tief, bis Sie bei der letzten betonten Silbe angekommen sind. Lassen Sie dann Ihre Stimme noch einmal kurz nach oben schnellen und – wenn noch Silben folgen – wieder fallen.

Noch einmal deutlich: Es muss sich anhören, als hätten Sie alle das gleiche Behindertenseminar besucht. Das ist Teil unserer Konzernidentität. Ändern Sie nichts daran; sonst treten wir Ihnen in die Eier.

Als kleines Bonbon für Ihre lästigen Fahrgäste können Sie auch zu schnell sprechen, murmeln, nuscheln, an völlig unpassenden Stellen lange Pausen machen oder sinnlos die Durchsagetaste loslassen, drücken und wieder loslassen. Das knackt herrlich in den Abteilen und nervt wie Sau.

2. Englisch

Wir haben auch keinen Bock auf Englisch, aber wegen der Japsen und dem anderen Kroppzeug in unserem aufrechten Vaterland müssen wir. Die raffen Deutsch nämlich nich. Sie müssen da so Englisch, sonst verdienen wir nix an denen. Bock haben wir da auch nich drauf.

Aber: Das zahlen wir den Pissern heim. Sprechen Sie so oft wie möglich total käckes Inglisch. For Rannewejs quasi, öh öh! Und es ist gar nicht so schwer, Ihre natürliche Hemmschwelle für falsche Aussprache (wenn Sie eine haben) zu überwinden.

Hier ein paar Beispiele:

- Zu allererst: Lassen Sie mindestens die Hälfte der auf Deutsch gegebenen Informationen im Englischen weg. Das merkt keiner von denen, und die Ärsche hören eh nicht zu, weil sie ihren Reiseplan schon gedruckt vor sich haben. Glauben Sie uns: Die sind immer total aufgeregt. Die gucken schon, wo Sie gerade einfahren.

- Englisch muss in Deutschland nicht wie in England betont werden. Wir sind in Deutschland und können selbst entscheiden, ob wir klingen wollen wie Siegfried und Roy oder Hans and Franz in den USA. Wer soll denn sonst das Klischee nähren.

- Lassen Sie bei „We will arrive in“ das „in“ weg. Das deutsche „erreichen“ hat keine Präposition; deshalb lassen wir die auch in anderen Sprachen weg. Das ärgert die Schlitzis total, versprochen.

- Auch im Englischen gilt: Alles viel zu schnell aussprechen und nuscheln, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist! Geben Sie sich keine Mühe, zerbrabbeln Sie „Ladies and gentlemen, in a few minutes we will arrive [keine Präposition!] Hannover” schamlos zu: “Ländschälmen, iffju miss wireif Hannover.”

- Deutsche Städtenamen müssen deutsch ausgesprochen werden, vor allem, wenn das Englische eigene Aussprachen hat (z. B. „Koloun“ oder „Börlinn“)! Wir sind in Deutschland; zeigen Sie das dem Ausländerpack! Wem’s nicht passt, der kann ja gehen. Wofür haben wir denn die internationalen Züge!

- Seien Sie uneinheitlich in den Bezeichnungen. Sagen Sie z. B. zu „Gleis“ nach Lust und Laune mal „track“ und mal „platform“. Das hilft vor allem unseren Fahrgästen, die Englisch nicht als Muttersprache haben, ihr Vokabular zu erweitern. Aber im Grunde können wir alle noch dazulernen; also ran an die Wortvielfalt!

3. Kontrolleure

Wir stellen Kontrolleure bevorzugt ein, wenn Sie fett, hässlich und mit Anlauf unfreundlich sind. Arbeitsplätze sind knapp; überlegen Sie es sich!

- Körperfülle signalisiert Zufriedenheit im Job! Würden Sie was zu essen von einer bulimischen Tussi mit Stimmungsschwankungen aus unserem Bordbistro kaufen? Sehen Sie. Tragen Sie Ihre fette Wanne ruhig mit Stolz vor sich her, blockieren Sie mit gutem Gewissen den Durchgang und zeigen Sie mit ihren drei Kinnen, dass Sie auch nichts von diesem neumodischen Ernährungsmist halten! Wir stärken Ihnen den Rücken und zahlen Ihnen vielleicht sogar die Osteopathiebesuche oder die Herztransplantation. Mal sehen.

- Hässlichkeit ist nicht angeboren; sie muss kultiviert werden! Es gibt viel, was Sie dafür tun können. Ungewaschene Haare, unbehandelte Ekzeme im Gesicht und Körpergerüche aller Art von Schweiß bis Kot; die Möglichkeiten sind endlos! Körpergerüche eignen sich übrigens hervorragend, um unangenehme Fragen nerviger Kunden zu vermeiden. Stellen Sie sich vor, ein Fahrgast riecht, dass Sie gerade noch in der Fünf-Minuten-Pause Kot genascht haben; da haben sich alle Aufregungen sofort gelegt. Versprochen.

- Höflichkeit wird vor allem beim Zugpersonal ausdrücklich ungern gesehen. Wenn Sie wie z. B. unser Mitarbeiter T. Brauer im ICE 955 von Köln nach Berlin am 20.06.2008 um 18:45 Uhr sind und noch nicht bei uns arbeiten, müssen wir uns kennenlernen! Dann haben Sie es nämlich drauf, nicht nur flotte selbstverliebte Sprüche an Fahrgäste rauszugeben, sondern wenn Sie daraufhin von einem Fahrgast eine Beschwerde über unseren schlechten Service bekommen, weisen Sie ihn darauf hin, schon Dieter Nuhr habe gesagt, was man tun solle, wenn man keine Ahnung hätte. Unsere Kunden wollen gern darauf hingewiesen werden, dass sie Arschlöcher sind und uns tierisch auf den Zeiger gehen.
Wenn Sie wüssten, was in unseren SM-Studios an den Hauptbahnhöfen der ganzen Republik läuft! Eine Beschäftigung in einem dieser Service-Hochburgen winkt nur den allerallerbesten Zugbegleitern! Maßregeln Sie unsere Kunden nach Kräften, zeigen Sie sich unkooperativ, ranzen Sie sie an, wann immer Sie können; dann werden wir Sie schon bald dort als neuen SM-Meister begrüßen dürfen.

4. Ticket-Automaten

Ja, wir haben von Web 2.0, Usability und dem ganzen Kundenservice-Mist gehört. Wissen Sie, was wir davon halten? Einen Scheiß, und das zeigen wir unseren Kunden auch. Am Ticket-Automaten nämlich.

Schauen Sie sich das mal an. Sowas schlecht Bedienbares haben Sie garantiert lang nicht mehr gesehen. Wir haben unsere Menüs absichtlich so gestaltet, dass man sie frühestens erst nach einem halben Dutzend damit gekauften Tickets ohne große Anstrengung bedienen kann. Kundenbindung, Sie verstehen? Die sind dann nämlich so fertig, dass die schon bei dem Gedanken, sich noch mal an ein anderes System gewöhnen zu müssen, sofort einen Anfall kriegen. Natürlich hat es uns Überwindung gekostet, aber das Ergebnis gibt uns Recht.

Zu den Details:

- Mit Stolz können wir verkünden, dass alle Menüs an den Automaten ohne visuelle Hilfsmittel laufen. Keine Hervorhebungen, keine farblichen Markierungen, keine größeren oder kleineren Kästchen. Es sieht alles absolut gleich aus; der Kunde kann in Ruhe raten, wo er als nächstes draufdrücken soll.

- Wir haben die Menüs so strukturiert, dass der Express-Kartenkauf meistens in einer Sackgasse endet und der gehetzte Kunde dann noch einmal den normalen Kartenkauf hinterher machen muss. Wir haben alle wenig Zeit; wieso glauben unsere Kunden eigentlich, dass sie was Besonderes sind?

- Wenn der Kunde mit seiner Bahncard unsere Bonuspunkte sammeln will und dafür die Bahncard in den Leser steckt, haben wir eine Extrahürde eingebaut. Er muss in zufällig ausgewählten Malen die Kartennummer trotzdem noch mal manuell eingeben. Wo kämen wir denn hin, wenn die Pisser die ganzen fetten Boni einfach so – ohne Schweiß – abgreifen könnten.

- Zum Abschluss eines Kartenkaufs muss der Kunde ein Zahlungsmittel wählen, aber wir sagen ihm nur irgendwo ganz klein am Rand des Bildschirms, dass er für EC-Zahlung seine Karte einführen soll. Soll er doch selbst drauf kommen, dass er den Zahlungsmodus nicht wie alles andere vorher am Bildschirm auswählen muss.

5. Pünktlichkeit

Unsere Züge – vor allem die Berufspendelzüge sind mit Absicht fast nie pünktlich. Sind wir doch mal ehrlich: Wo wäre der Spaß, wenn man sich darauf verlassen könnte? Das Leben hätte doch für die schwulen Pendlerpisser nichts mehr zu bieten; in Wahrheit freuen sich doch alle, wenn sich mal wieder vor ne Lok geschmissen hat. Gaffen und so. Das ist eine total willkommene Abwechslung gegenüber den üblichen Kein-Bock-Verspätungen (KBV) und unseren Streitphasen, die wir auch gern mal „Notfallpläne“ (NFP) nennen.

Donnerstag, Juni 26, 2008

Mein erstes Fußballspiel

So, jetzt habt ihr mich so weit. Ich hab gestern Fuppes geguckt. Deutschland gegen die Türkei im Halbfinale der EM.

Es war ganz merkwürdig. Ich saß auf Amalias Bett und starrte den klobigen Kasten an, während sie saugte und wischte. Es kam mir sehr kitschig vor. Einmal erwischte ich mich dabei, dass ich ihr sagen wollte, sie solle doch nicht so einen Krach mit dem Staubsauger machen und uns (lies: "mir ") lieber ein Bier holen. Da erschrak ich und schwieg.

Meinen Liebling Metzelder habe ich während des Spiels kaum gesehen, aber man muss offen sagen, dass man ja von dem Spiel insgesamt ziemlich wenig gesehen hat. Die Schuld dafür wurde ja den Österreichern in die Schuhe geschoben. Es hätte einen Stromausfall im Zentralverteiler in Wien gegeben. Dann hätte aber, sagte man später, das Schweizer Fernsehen dankenswerterweise übernommen, aber auch die haben's nicht auf die Kette gekriegt. Ständig Bild und/oder Ton weg. Das hat man davon, wenn man die Leute dort ihre Freistaatmentalität ausleben lässt. Gehörten sie auch offiziell zu Deutschland, hätten wir da eher unsere Finger drauf.

Aber zum Spiel selbst (ich hab ja neulich so klug hier ins Blog geschissen; da weiß ich Bescheid):
Dass Deutschland gewonnen hat, ist echt ein paar wenigen und sehr gut platzierten Leuten zu verdanken. Im Spiel selbst waren die Türken nämlich vor allem in der ersten Halbzeit deutlich überlegen. Zeitweise haben Amalia und ich uns gefragt, ob die Deutschen überhaupt noch mitspielen.

Trotzdem finde ich gut, dass Deutschland gewonnen hat. Ich hab nichts gegen die Türken, aber gegen ihren Foulstil. Und dem Schiedsrichter, der ein klares Foul nicht gesehen hat, mache ich keinen Vorwurf, aber ich empfehle einen Termin beim Optiker.

Montag, Juni 23, 2008

Wichtiges Fußball-Wissen für Schwule in 9 Lektionen

Fast alle von uns Schwulen hassen Fußball. Das ist auch kein Wunder. Diejenigen von uns, die sich für etwas Besseres halten, argumentieren oft damit, es sei evolutiv eine Ungeheuerlichkeit, dass erwachsene Menschen einem Ball hinterherliefen, um ihn in rechteckige Kästen zu treten. Und tatsächlich hat Fußball wenig vom Charme des distinguierten Schachspiels.

Zur Zeit wichtiger Spiele – allen voran die WM und die EM, aber oft auch die Champions League – herrscht Ausnahmezustand. Das drittelstarke Gruppengepöbel, der unerträgliche Krach in fast allen Kneipen und die nach Ende der Spiele oft noch wochenlang anhaltenden Autokorsos mit Gehupe sind nur drei der nur zu gut nachvollziehbaren Gründe. Ach ja, und wer hat dem Volk überhaupt gesagt, die ohnehin behämmert aussehenden Fähnchen an den Autofenstern müssten hängen bleiben, egal, wie zerfetzt sie sind?

Dennoch: Fußball ist ein wichtiges Ereignis unserer Zeit, und es wird Zeit für uns, die mit Fußball verbundenen Vorteile zu erkennen und geschickt zu nutzen. Aber man muss ein paar Sachen wissen und beachten; dann macht es nicht nur Spaß, sondern bringt auch noch was.

Frauenfußball habe ich übrigens aus Desinteresse schlicht weggelassen. Ich weiß, dass die deutschen Frauen sehr erfolgreich sind, aber mich interessiert Fußball an sich schon nicht. Könnt ihr euch vorstellen, wie egal mir Frauenfußball ist?

Jetzt aber zu den Lektionen für uns Schwule!

1. Wir sind Fußball

Das Allerwichtigste zuerst: In Deutschland ist man selbst, was einen begeistert. Wir sind Weltmeister (der Herzen), wir sind Papst, und genau so sind wir Fußball. Das runde Leder vereint Deutschland wie nichts anderes; dagegen ist der von Exbundeskanzler Helmut Kohl eingestielte 2+4-Vertrag ein Dreck. Damit du in einer Fußballrunde akzeptiert wirst, musst du von uns sprechen, wenn du die deutsche Mannschaft meinst. Wir sind Fußball.

Richtig also: „Wir spielen.“

Falsch: „Deutschland spielt“.

Ganz ganz schlimm: „Die deutsche Mannschaft spielt.“ Wenn du das sagst, wird man annehmen, du hieltest für eine andere Mannschaft. Außerdem erkennen dich viele wegen der sprachlichen Genauigkeit als Juristen oder Lehrer (oder in meinem Fall: beides).

2. Trikottausch

Wenn man Schwule auf Fußball anspricht, kommt von vielen zuerst der Trikottausch. Als Zeichen der Verbundenheit tauschen die Spieler der beiden Mannschaften auf dem Rasen die Trikots. Der sagenumwobene Trikottausch entblößt wohlgeformte Oberkörper von Kerlen im besten Fortpflanzungsalter. Hier bekommt der Zuschauer Titten aus der ganzen Welt zu sehen.

Dummerweise dauert der Trikottausch meist nicht lang genug für eine ausreichende Oben-ohne-Nahaufnahme des geilsten Spielers; deshalb ist er für mich praktisch irrelevant. Warum man den Trikottausch nicht stärker betont? Nun ja, Fußballfernsehen wird anscheinend von Heteros oder aus Angst vor Beschwerden von Heteros gemacht. Wer gute Oberkörper sehen möchte, ist jedenfalls bei Beach-Volleyball und vor einem gut sortierten Pornoregal deutlich besser aufgehoben.

3.Christoph Metzelder










Fußball birgt ein visuelles Goldstück: Christoph Metzelder. Gerade jetzt mit seinem Vollbart hat er das sympathischste Lächeln der deutschen Nationalmannschaft und für mich des gesamten Fußballsports. Als das hier gezeigten Foto gemacht wurde, erholte er sich gerade von seiner Verletzung, kündigte an, der Bart käme bald wieder ab, aber er hat diese Drohung bislang nicht wahr gemacht. Ich bin begeistert!

Aber nicht genug mit Metzelders Aussehen; er hat außerdem ein 1,8er-Abitur gemacht, setzt sich für wohltätige Zwecke ein und kann zusammenhängende Sätze fehlerfrei aussprechen. Sehr sympathisch finde ich – wahrscheinlich im Gegensatz zum gesamten Rest der Republik –, dass er in der Abwehr spielt, einem wundervoll teambezogenen Posten.

Und: Familienstand: ledig! Einen besseren Fang kann man im Fußballbereich nicht machen; dieses Lächeln lässt nicht mehr los!

Nicht sonderlich gelungen sind allerdings sein Spitzname „Metze“ und die Tatsache, dass er auf dem eigens vertriebenen T-Shirt mit dem Titel „Bart-Metze“ aussieht wie ein Verbrecher. Mann, ich war sooo [zeig] kurz davor, dieses T-Shirt zu bestellen!

Übrigens: Ja, ich finde auch Mirko Slomka ganz reizvoll, aber hinter diesen Augen scheint mir nicht der gleiche Intellekt zu lauern.

4. Spielerfrauen

Spielerfrauen im Fußballbereich werden aus Model-Katalogen zusammengekauft und sind dementsprechend von überschaubarer Intelligenz. Die zweitgenannte Tatsache ist die notwendige Konsequenz der Tatsache, dass man einfach nicht in allen Bereichen volle Punktzahl haben kann. Entweder schön oder intelligent; beides ist Beschiss.

Dass die Frauen aussehen wie aus dem Schönheitschirurgensaal entlassen, kann natürlich mehrere Gründe haben, aber egal, wie ich es gedreht habe, ich habe Homosexualität ihrer Männer nicht als Grund plausibel machen können.

5. Aus die Glotze! Hausverbot bei Saturn und Media Markt

Wenn’s nun gar nicht ohne Konteraktionen geht, gibt es einen wundervollen Weg: die TV-B-Gone-Schlüsselring-Fernbedienung von thinkgeek.com. Dieses putzige Gerät kann nichts als Ausschalten, dafür hat es aber die Frequenzen fast aller erhältlichen Geräte drauf. In knapp einer Minute schickt „Aus!“-Signale aller ihm bekannten Geräte raus; der Benutzer muss nur die Sichtverbindung halten.

Aber Achtung: Viele Bildschirme da draußen sind keine Fernseher, sondern Plasma- oder TFT-Bildschirme, die nicht mit einer Infrarot-Fernbedienung fernzusteuern sind.

Und für diejenigen von euch, die gern mal Hausverbot bei Saturn oder Media-Markt haben wollen, die übrigens beide dem selben Konzern angehören: Ich bin überzeugt, dass es wundervoll ist, wenn vor einem die ganze Fernseherwand nach und nach schwarz wird.

6. Fußball als Vorwand

Viele Heten würden es nicht offen zugeben, interessieren sich aber bei der ganzen Sauferei und Gröhlerei auch nicht für Fußball. Man trifft sich in Wahrheit für genau das, was man dann auch macht: Saufen und Gröhlen. Oft wird es in vermeintlich gesellige Spiele wie „Spielersaufen“ (jeder sucht sich einen Spieler aus, und wenn sein Name fällt, muss er trinken; viele nähmen gern den Ball) gepackt, aber man könnte dabei auch Verbotene Liebe oder Daktari gucken.

7. Kriegsszenario: Wir gegen die Türkei

Übermorgen steht ja – manche wissen’s ja schon – das Spiel Deutschland gegen die Türkei an. Neulich war ich wieder in Berlin und erlebte, was für Unruhen eintreten, wenn die Türkei gewinnt. Ich kann sie ja verstehen und finde auch in Ordnung, dass sie einen Nationalstolz mitbringen, obwohl viele von ihnen mit der Türkei ungefähr so wenig zu tun haben wie ich mit den Deutschstämmigen in dem Deutschendorf Kitchener ca. 100 km westlich von Toronto in Kanada, wo man es mit deutschen Traditionen strenger hält als wir in Deutschland.

Ich konnte mich nicht entschließen, was schlimmer wäre: eine Niederlage der Türkei oder Deutschlands. Wenn Deutschland verliert, werden wahrscheinlich viele Türken völlig ohne Anlass aufs Maul bekommen, was ich unabhängig von Nationalität zum Kotzen finde. Verlieren wir, wären die Türken vermutlich die faireren Verlierer, aber dann steigt die Chance, dass in meinen türkischen Mittagsgerichten Ungenießbarkeiten auftauchen, von denen ich nur bitte nie erfahren möchte.

8. Kriegsszenario: Russland gegen Türkei

Angenommen, Russland gewinnt am Donnerstag gegen Spanien, und die Türkei gewinnt gegen uns am Mittwoch. Dann bricht sehr wahrscheinlich sehr bald in manchen deutschen Großstädten die Hölle los. Das Gemisch hat schon ohne besonderen Anlass damals in Marburg regelmäßig für eine breite Palette von Strafbarkeiten gesorgt. Da hieß es: Drogendealer- gegen Menschenhändlerketten. Wenn dieses Spiel zu Stande kommt, heißt es, zu Hause zu bleiben und sich mit der Axt hinter die Wohnungstür zu stellen. Da hat man besser genug Lebensmittel für eine zweiwöchige Ausgangssperre gebunkert.

9. Wie man auch ohne Fachwissen mitreden kann

Mitreden zu können, ist bei Fußball gar nicht so schwer; denn erstens gibt es gar nicht so viele Sachen, die man wissen muss, um Sympathie zu erhaschen, und zweitens geben alle gern ihr Fußballwissen zum Besten, selbst wenn sie dich nicht kennen. Eine halbgeschickt platzierte kurze Frage bringt oft Sympathie und gleichzeitig Fragematerial für den nächsten Gesprächspartner in einem Abwasch.

Man kann im Grunde alles fragen, auch total unkonkrete Sachen, z. B.: „Gegen wen spielen wir am Mittwoch?“ oder „Was war das denn bitte am letzten Mittwoch für eine Aktion von Löw?“

Je mehr Informationen man hat, desto geschickter kann man sich zu Akzeptanz verschaffen. Angenommen, man hat mit zwei Klicks über Google herausgefunden, dass Deutschland übermorgen gegen die Türkei spielt, ist es ein leichtes, jemanden zu fragen, gegen wen wir wohl im Finale spielen. Damit suggeriert man spielend leicht das Vertrauen in die deutsche Mannschaft und dass wir die Türken mit links vom Platz fegen werden. Das verbindet und begeistert!

Mittwoch, Juni 04, 2008

Wir frühstücken!

Mitten in der Woche!
Und nur weil ich Geburtstag habe?
Ich vermute einen Plan hinter alledem.

Donnerstag, Mai 15, 2008

Fragebogen vom Burghof in Kaiserswerth

Gesendet am: 15.05.2008, 16:10 Uhr
An: info@galerie-burghof.de

Hallo Burghof-Team,

da ich keinen Stift dabei hatte, hier der ausgefüllte Fragebogen per E-Mail.

Ich war am letzten Sonntag, dem 11.05. von etwa 14 bis 16 Uhr bei euch im Biergarten.

Ich komme gern in den Burghof wegen der Sommeratmosphäre an warmen Tagen.

Ich komme gern wegen
- der Atmosphäre

Das Essen war: mittel
Der Service war: schlecht (an der Essensausgabe), sonst in Ordnung
Die Toiletten waren: [keine Bewertung]

Das Essen (eine Portion Rührei, ein Speckpfannkuchen) dauerte ca. 50 Minuten, uns zu lang.

Auf Nachfrage nach stark einer halben Stunde bekamen wir von der Dame an der Essensausgabe eine pauschale Ansage, wenn die Nummer nicht angezeigt würde, wäre das Essen noch nicht fertig. Nach ca. 50 Minuten wurde die Nummer angezeigt, und ich ging sofort, um es abzuholen. Als ich das tat, ließ ich die Bedienung wissen, dass es mir zu lang gedauert hatte, und ich bekam die Antwort: "Es steht ja auch schon ziemlich lang hier." Außerdem rief sie in die Küche: "Ihr könnt jetzt alle Nummern ausmachen." Die Nr. 4, die wir gehabt hatten, wurde trotzdem noch etwa 20 Minuten angezeigt.

Ich bin 30 Jahre alt.

Was mir sonst auffiel: Auf der mit Vogelkot übersähten Holzbank habe ich mir direkt die Hose versaut, und die Dame an der Essensausgabe hat sich nicht einmal bemüht, interessiert zu wirken. Der Pfannkuchenteig war nicht richtig durch, dafür von unten angebrannt. Ich hätte mich außerdem bei dem Preis auch über mehr Speck als den Hauch gefreut, der tatsächlich drauf war.

Viel Glück weiterhin.

Dienstag, Mai 13, 2008

Kurz vor knapp noch falsch abgebogen

Meine Freunde mit "Ahnung von Computer" (weder qualitativ noch quantitativ näher spezifizierten Erfahrungen im Umgang mit einem oder mehreren Informationstechnologiegeräten) haben sicherlich alle solche Geschichten zu erzählen, aber ich bin mal wieder schneller und gebe euch jetzt ein Quäntchen meiner Ahnung von Computer und die oft damit verbundene Frustration zum Besten.

Amalia und ich sind am vergangenen Wochenende in die neue Wohnung im selben Hause gezogen, hatte ich ja berichtet. Dass Alice alles daran gesetzt hat, dass wir noch mindestens knapp drei Wochen ohne Festnetztelefon sein werden, habt ihr auch gelesen. Aber ich dachte mir, die neue Wohnung ist ja nur ein Stockwerk höher und schräg gegenüber; dann sehen wir doch mal zu, dass wir per WLAN online gehen können. Müsste ja gehen.

Zu Anfang hatte ich mit meinem Hausverwalter gesprochen, einem Freund von mir, der immer extrem hilfsbereit ist und sofort sagte, natürlich könnte ich meinen Router in der alten Wohnung noch stehen lassen. Es würden dann zwar die Handwerker kommen und allerlei aufwändige Arbeiten durchführen, z. B. die Wände aufreißen, um neue Leitungen zu verlegen, aber wenn ich den Router vernünftig verpacken würde, wäre das kein Thema.

So probierte ich erst einmal herum. Lieferte die Fritz!-Box in der neuen Wohnung noch ein starkes Signal? Sah schlecht aus, sagte mir mein Laptop. Ich erinnerte mich an einen WLAN-Extender von Belkin, den ich ins Büro mitgenommen hatte, damit Chefchen auf dem Balkon Internetzugang hätte. Der wurde sowieso noch nicht gebraucht, weil sein Rechner noch irgendwelche Updates dafür brauchte.
Also bat ich einen Kollegen, mir den Extender so vorzubereiten, dass er mit meiner Fritz!-Box liefe, was er tat. Die Herumfriemelei dauerte ziemlich lang. So einfach scheinen diese Belkin-Viecher nicht zu konfigurieren zu sein.

Am Wochenende kam erst einmal der Umzug, und da ist Internet nicht wichtig. Erst gestern Abend kam ich dazu, mal herumzuprobieren. Amalia sagte mir, mit dem Extender hätte sie nichts zu tun; schon das Fritz!-Box-Signal sei stark genug. Ich testete; sie hatte Recht. In unserem neuen Esszimmer empfing man ihr Signal tatsächlich recht gut.

Heute Morgen, als schon die Handwerker in meiner alten Wohnung irgendwelche Arbeiten erledigten, baute ich die Belkin-Hupe wieder ab und stellte nach langem Hin- und Herüberlegen meinen fetten Tower-Rechner rüber in unser neues Esszimmer. Dort sollte er ja nur bis Ende Mai stehen; Amalia würde das schon aushalten können. Mein Tower hat nur keinen WLAN-Adapter eingebaut, also brauchte ich einen USB-Adapter, den ich noch rumliegen hatte. So ein Standardding von Linksys.

Meine Fresse, dauerte es lang, bis der Rechner das Ding endlich vernünftig erkannte. Mir ist nicht klar, was daran so schwer ist, diesen Kack vernünftig installierbar zu machen, aber als ich dann irgendwann ein anderes USB-Kabel verwendete, erkannte der Rechner den Adapter sogar. Prost. Zwischendurch hatte ich die Software ca. fünfmal installiert und den Rechner zehnmal neu gestartet.

WLAN funktionierte also doch noch irgendwann, und ich lehnte mich erleichtert zurück. Amalias Mutter, die gerade zu Besuch war, musste sich gedacht haben, ich hätte sie nicht alle.

Irgendwann brach die WLAN-Verbindung ab. "Aja okay", dachte ich mir, "die Handwerker haben bestimmt mal die Sicherungen rausgenommen, um irgendwas zu machen. Ich erledige weiter, was morgens zu erledigen ist. Auf dem Weg zum Büro gehe ich die Treppe hinunter und komme an meiner alten Wohnung vorbei. Dort sehe ich, wie ein Elektriker den Sicherungskasten entfernt hat. Ich spüre, wie in meinem Kopf ein dumpfer Knall die graue wabbelige Masse durchschüttelt. Mein Hausverwalter ist noch vor Ort, und ich sage etwas wie:

"Du, hör mal, jetzt haben die hier die hier die Sicherungen entfernt. Da ist dann aber kein Strom mehr auf den Leitungen." Er guckt mich leer an. Ich füge an: "Ohne Strom bringt das ja nicht so viel, wenn hier mein Router herumliegt." Er begreift: "Ach so!" Bei dem Wort "so" lässt er seine Stimme nach oben schnellen und zum Ende wieder absinken. "Ja das natürlich jetzt etwas blöd", stimmt er mir zu.

Damit wurden ca. vier Arbeitsstunden vergeudet.

Wie ich sagte: Die Welt ist ungerecht.
Na vielleicht gibt's ja irgendwo ein anderes WLAN, das wir hackenäh ich meine das frei zuänglich ist.

Montag, Mai 12, 2008

Umzug vollbracht

Amalia und ich leben jetzt nach fast vier Monaten Trennung wieder zusammen, und dieses Mal ist es eine richtig geile Wohnung, die wir besetzt haben. An diesem wunderschönen Pfingstwochenende, an dem zu allem Überfluss auch noch Muttertag war, haben wir unsere Möbel in die neue Wohnung geschleppt. Geilerweise ist die Wohnung im selben Haus, und Amalia musste sie sogar wirklich nur eine Tür weiter tragen. Für mich lag noch ein ganzes Stockwerk dazwischen.

Die neue Wohnung ist der Oberkracher, und ich hoffe, euch alle, die ihr mich super findet, zu meiner Geburtstagsparty am Samstag, den 7. Juni in eben dieser geilen Wohnung aufzuschlagen, wo es wieder eine Klamottentauschparty geben wird. Wir peilen mal so 18:00 Uhr an. Bitte Bescheid sagen, wenn ihr Schlafplatz braucht. Da sollte sich was finden lassen.

Und meldet euch doch mal, wenn ihr die Wohnung sehen wollt. Sie ist sehr super, und wir sind begeistert.

Sonntag, Mai 04, 2008

Jetzt geht's bei Alice auch los

Liebe Freunde, es ist so weit. Der Internet-Provider Alice hat jetzt auch eine Horde planloser Callcenter-Deppen engagiert.

Amalia und ich werden in einer Woche umziehen; deswegen habe ich vor einer Woche bei Alice online schon mal von Analog- auf ISDN-Tarif gewechselt. Wir sollten schließlich mehrere Telefonnummern haben.

Alles kein Problem; hab's selbst gemacht. Selbst machen ist eh deutlich weniger fehleranfällig, habe ich das Gefühl. Das macht dann nämlich jemand, dem das wichtig ist. Hilft oft.

Damals dachte ich, ich bräuchte keinen Umzug anzumelden, sondern würde im Zweifel jemanden ranholen, der einfach die Drähte in der Verteilerbox im Keller umklemmt. Solange ich meine Rechnungen bezahle, kann Alice ja wurscht sein, in welcher Wohnung die Leitung landet.

Dachte ich.

Bei Alice belehrte man mich dann. Nein, das sei ein Umzug; das müsse ich anmelden.
Also ich wieder in meine gemütliche Alice-Lounge und den Umzug anmelden wollen. Aber huch, was sagt mir denn Tante Alice?

"Sie haben bereits eine laufende Anfrage oder einen Auftrag erfasst, der sich derzeit noch in der Bearbeitung befindet.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aus Sicherheitsgründen immer nur einen Auftrag pro Kunde zur Zeit bearbeiten. Sobald dieser durchgeführt ist haben Sie die Möglichkeit, eine neuen Auftrag zu erfassen."


Ja ach, die gute Alice hat ja so Recht; ich habe tatsächlich eine laufende Anfrage erfasst! Und diese Anfrage befindet sich derzeit noch in Bearbeitung. Löblich löblich, wie fleißig man da bei Alice ist.

Ich nahm an, die Online-Plattform hätte ne Macke, denn aus welchen "Sicherheitsgründen" sollte man eine Tarifumstellung nicht gleichzeitig mit einem "Umzug" laufen lassen können. Es sind zwei völlig getrennte Vorgänge, und faktisch muss man abgesehen von ein paar Klicks bei Alice selbst nur einen Telekom-Techniker bestellen (weil T-Com wohl das Netz gehört), der in den Keller geht, die Kiste aufmacht und einen Draht umlegt. Den kann man schon mal bestellen; denn die T-Com braucht immer eine Weile, bis sie mal Termine vergibt.

Es musste ein Fehler in der Online-Plattform sein; also rief ich für 14 Cent pro Minute den Alice-Kundenservice an. Ein Mitarbeiter sagte mir, es würde neun Werktage dauern, bis der T-Com-Techniker käme, und damals reichte die Zeit auch noch locker. Der Typ sagte mir, ich sollte in zwei drei Tagen noch mal anrufen; dann ginge das sicher mit der Umzugsanmeldung.

Die Bestätigung der Tarifänderung von Analog auf ISDN und von 4 auf 16 mbit/sec kam, und da ich weiß, dass man in so Buden nicht gerade zackig arbeitet, ließ ich Alice noch mehr Zeit.

Heute habe ich wieder angerufen, eine geschlagene Woche später. Ich hatte einen Herrn Bockshammer am Apparat. Dem schilderte ich die Situation. Er wusste nicht, wie diese Kombination von Vorgängen zu handhaben ist, sagte mir, er wolle mir ja helfen und würde bei einem Kollegen nachfragen. Das tat er, ich wartete.

Er kam zurück und sagte, ich könnte den Umzug erst am 7. Mai "beantragen", weil erst dann der Tarif umgeschaltet würde. Ich hatte mit so einer Scheiße schon gerechnet; bei Arcor und O2 war man ja ähnlich geil unterwegs gewesen. Aber bei O2 hatte ich auf Nachfrage dann jemanden mit Ahnung und Macht an den Apparat bekommen, mit dem man reden konnte. Also sagte ich, natürlich genervt, etwas wie:

"Wissen Sie, Herr Bockshammer, nach dem, was ich von Ihnen gehört habe, ist ziemlich klar, Sie haben keine Ahnung, wie so etwas gemacht wird. Bitte geben Sie mir doch mal jemand, der diese Ahnung hat." -- "Ja, gut", kam's zurück, "wenn Sie das so meinen? Ich verbinde Sie mal." -- "Danke."
Erst hing ich eine Weile in der Warteschleife, dann hatte ich wieder Herrn Bockshammer am Apparat, der mir mitteilte, es sei da wohl etwas schief gegangen. Der verband mich dann angeblich noch einmal weiter, ich wartete eine Weile, und dann brach der Kontakt ab.

Das werden ca. 5 Minuten für 14 Cent pro Minute gewesen sein.
Ergebnis: stark unbefriedigend.

Besonders scheiße finde ich, dass ich selbst den Fehler hätte verhindern können, wenn ich den Umzug zuerst und dann die Tarifumstellung gemacht hätte. Jetzt werden Amalia und ich wenigstens bis zum 21. Mai kein Internet und kein Festnetztelefon haben. Wenn man die Stumpfheit der Callcenter-Vollidioten und den üblichen Abrieb zwischen Internet-Provider und T-Com eingerechnet, wird's Anfang Juni. Wenn wir Glück haben und artig bittebitte sagen.

Beim Aufrufen von http://www.alice-dsl.de/ ist mir übrigens noch etwas ganz Schreckliches aufgefallen: Das Logo von Alice ist jetzt in Begleitung dieses unsäglichen blauen dreieckigen Logos mit dem Kreis in der Mitte, und es steht "AOL" dran. Vermutlich hat der Internetgigant Alice geschluckt.

Dann sehe ich mich mal nach einem neuen Anbieter um. Ich konnte vor einem Jahr ja kaum ahnen, dass man Alice bald in der Pfeife rauchen könnte, aber man hat sich nach Kräften bemüht, den Laden möglichst weit vom Kundenservice wegzukriegen.

Ich gratuliere; das hat geklappt.

Johnny Lee zaubert 3D-Welten für 3D-Blinde wie mich

Als ich klein war, schielte ich ganz furchtbar, und im Alter von vier Jahren ließen mich meine Eltern deswegen operieren. Sagen sie jedenfalls. Wer weiß, was sie da noch alles haben machen lassen.

Essenz des Ganzen: zwei Dinge. Erstens: Ich sehe nicht mehr ganz so behämmert aus. Zweitens: Ich habe keine echte 3D-Sicht. Ich kann Auto fahren und Badminton spielen und sowas, aber dieser ganze vor ca. fünfzehn Jahren hippe "Das magische Auge"-Kram funktioniert bei mir nicht. Es dauerte damals allerdings eine ganze Weile, bis ich begriff warum.

Ähnlich nicht funktioniert bei mir auch dieses Pseudo-3D-Gedöns mit den roten und grünen übereinander gelegten Bildern. Das sieht für mich nur komisch aus. Und ja, ich hab's auch mit 3D-Brille probiert.

Jedenfalls hat sich hier jemand hingesetzt und was Extrageiles zurechtgestrickt: eine Möglichkeit nämlich, mit einem normalen Bildschirm richtig geile 3D-Welten zu zaubern. So stell ich mir Arbeiten am Bildschirm vor. Und es ist mir auch egal, dass das nur für einen einzigen User funktionert. Ich bin mir in dieser Hinsicht selbst am nächsten. Ihr habt ja überall 3D; geht raus und schnüffelt an Blumen!



Johnny Lee, thanks for this huge step into tomorrow, using today's technology. You're so Wii 2.0! :)

Japaner haben ein Rad ab

und sind dabei ziemlich geil. Wie man mit Musik Game Levels zaubern kann, zeigt uns dieser putzige Mensch:

Donnerstag, Mai 01, 2008

Liebe Selbstmörder,

gibt es denn wirklich keinen anderen Weg, als euch vor den Zug zu werfen, den Amalia nach Hause nimmt, wenn sie ausnahmsweise -- wie gestern -- mal vor 19:00 Uhr aus der Kanzlei kommt und früh nach Hause will? Sie möchte sich so gern abends mal in Ruhe bei einer Tasse Gewürztee die Fußnägel lackieren und diese Fernsehshow mit dem geilen Peyman-Typen gucken.

Wenn's euch nicht so gut geht, könnt ihr ja vielleicht mal die Show gucken. Die ist toll. Wenn euch die Mädels gefallen, könnt ihr masturbieren! Das ist toll!

Liebe Grüße

Städterennen 2008: Ende April

Au au au.

Ein Drittel des Jahres ist schon rum, und noch immer stehen wir, wo wir Ende Januar standen.

Es steht 1 : 1.

Unsere großen Pläne, die Welt zu erobern, laufen zögerlich an. Nix mit Tokio, Stockholm, Sydney, Melbourne, Dubai, Jakarte, Singapur und so weiter.

Amalias Punkt: Luxemburg (Hauptstadt)

Mein Punkt: Saarbrücken (Hauptstadt des Saarlandes)

Aber mein nächster Punkt ist in der Pipeline: London! Da fliege ich Anfang Juli für ein verlängertes Wochenende hin. Und ich sage Amalia natürlich nichts davon, aber fürs Jahresende habe ich noch zwei Joker in der Tasche: Schwerin und Magdeburg. Keine wirklich schillernden Punkte, aber Punkt ist Punkt. Und weil mich die Städte eigentlich nicht interessieren, mache ich die Ausflüge dahin erst gegen Jahresende, wenn ich Amalia gar nicht mehr anders besiegen kann.

Das kommt davon, wenn man Spaß hat

Man schreibt dann kein Blog mehr. Genauer gesagt kommt das davon, wenn man nen ganzen Arsch voll zu tun hat und dabei auch noch Spaß. Dann schreibt man nicht nur nicht mehr ins Blog, sondern tut auch sonst kaum noch was anderes als zu arbeiten.

Diesen Eintrag habe ich im ICE von Köln nach Berlin am vorletzten Freitagabend begonnen, aber aus Zeigründen nicht fertigschreiben können. Wahrscheinlich habe ich nach der Arbeitswoche lieber ein paar House M.D.-Folgen gucken wollen. Es gibt sogar bei mir Zeiten, in denen ich keine Energie mehr für Kreatives habe, in denen ich nur noch konsumieren und das Hirn baumeln lassen möchte. Also füge ich jetzt erst mal an, was ich da im Zug geschrieben habe, und mache dann fertig.

Also los in unsere Zeitreise-Zauberkugel!

[snip] [wwWWFFFUSCH] [glitzer]

Und schon wieder eine Woche rum, Wochenende dafür vor mir. Das erste große Projekt im neuen Job ist fertig, und meine Chefs sind sehr zufrieden mit dem Bericht, den ich abgeliefert habe. Ich gebe zu, dass auch ich ihn ziemlich ordentlich finde. Stark 50 Seiten gebunden und 9-Pixel-Schrift, das wird beim Kunden Eindruck machen. Mal sehen, von welchen Datenvorkommnissen sie gar nichts wissen, und ich bin gespannt, wie sie finden, dass ich den Vertrag mit ihrem ach so geilen Bonusprogrammbetreiber verrissen habe. Ich könnte aber auch gefahrlos eine respektable Summe darauf wetten, dass diese Bude DJ Ötzi für den Datenschutz angestellt hat. Ein Vertrag, der seinen Namen trägt!

Dass ich so lang keinen Blog-Eintrag geschrieben habe, dürft ihr übrigens als ein Zeichen für zwei Symptome auffassen:

Erstens ist meine Arbeitswoche ist belegt mit Arbeit, Schlafen, Essen, ein- oder zweimal in der Woche Sport und mit meinem großartigen Mann telefonieren, den wir der Pseudonymität halber mal Hartmut nennen. Nicht weil sein Name so ähnlich klingt, sondern weil ich es sexy fänd, einen Mann mit einem derart maskulin klingenden Namen zu haben. Wo wir gerade dabei sind: Habe ich eigentlich mal erwähnt, dass ich mir vor knapp drei Jahren, als ich in meine Wohnung gezogen bin, mal überlegt habe, ich könnte mit einem Kasten Bier zu der nahe gelegenen Polizeiwache gehen und die Jungs dort fragen, ob sie Bock auf ne Uniformparty haben?

Zweitens genieße ich sehr, wie es im Moment ist. Zum ersten Mal seit … hm … überhaupt habe ich das Gefühl, an der richtigen Stelle zu sein. Im Job, in der Partnerschaft und halt in allem, das da so dranhängt.

Übrigens: Wenn ich sage, dass ich fast nur noch arbeite, klingt es aus zwei Gründen viel schlimmer, als es ist (Ich stehe im Moment volle Kanne auf Aufzählungen. Rockt!).

Erstens habe ich neben meinem Job als Datenschützer auch noch den neuen Dozentenjob an der privaten FH in Köln, was ich schon lang machen wollte, und zweitens macht mir überhaupt die ganze Arbeit einen Heidenspaß. Das geht so weit, dass ich mir auf meinen regelmäßigen Zugfahrten nach und von Berlin meinen Laptop schnappe und arbeite. Wie schnell und konzentriert ich da Lehrmaterial für die kommende Woche zusammenklatsche, schockt meinen Dozentenpartner glaube ich etwas, aber damit kann ich leben. Er muss dann halt mit meinen PowerPoint-Folien unterrichten, der Arme. :)

Auch Amalia geht es wunderbar in meinem alten Job. Ich habe keine Idee, was sie getan hat, aber sie hat meinen Ex-Chef anscheinend locker gemacht. Zwei Jahre war ich in der Kanzlei gewesen und hatte ihn immer als überkorrekt und etwas verklemmt wahrgenommen. Als ich ihm im Januar ankündigte, dass ich aufhören würde, bat er um ein Gespräch nach der Arbeit, um meine Motive zu erfahren. In etwa zwei Stunden legte ich ungefähr alles auf den Tisch, was mir an der Kanzlei nicht gefiel, hoffentlich ohne dabei unfair oder unhöflich zu werden. Jedenfalls war ich sehr deutlich und gleichzeitig sicher, dass ich ihm damit alles an die Hand gegeben hatte, um meine letzten Wochen in der Kanzlei zur Hölle zu machen.

Aber nach dem Gespräch bedankte er sich noch -- völlig unaufgefordert. Die folgenden Wochen geschah waren ganz im Gegenteil recht angenehm. Nachdem ich zwei Jahre dort verbracht und immer das Gefühl bekommen hatte, dass ich nichts richtig mache, ließ er plötzlich keinen Tag aus, ohne mir zu sagen, jetzt zöge das Geschäft doch richtig an, und ausgerechnet jetzt wollte ich gehen.

An einem meiner letzten Tage in der Kanzlei sah ich die ersten Zeichen der Veränderung in ihm. Er saß auf seinem Stuhl am Schreibtisch, und während wir überlegten, wie in einer Sache vorgegangen werden sollte, schob er sich auf dem Stuhl mit den Füßen zurück und hakte seine Schuhabsätze auf der Tischkante ein. Ich schwöre bei Gott, so etwas hatte ich bei ihm noch nie gesehen.

Amalia erzählt mir regelmäßig äußerst bizarre Geschichten von ihrem Arbeitsalltag in der Kanzlei. Der einst überkorrekte Chef hat zwei neue Wörter gelernt, und ich bin gleichzeitig überrascht, etwas schockiert und stolz, sagen zu müssen, dass er sie wahrscheinlich von mir gelernt hat:

„Scheiße“ und „Arschloch“

Erst muss es ihm selbst noch merkwürdig vorgekommen sein, diese Wörter zu sagen, aber mittlerweile hat er anscheinend sein Ventil zur Aggressivitätsbewältigung darin gefunden. Hat wieder ein nerviger Mandant angerufen? Dann kann man ziemlich sicher sein, dass er das eine oder andere Wort mehrfach ins Büro ruft und sich dann etwa folgende Unterhaltung zwischen ihm und der im Nebenbüro sitzenden Amalia abspielt:

Er: „Was für ein Arschloch!“ [10 Sekunden Pause] „Arschloch!“

Amalia: „Wie bitte?“

Er: „Hab ich was gesagt?“

Amalia: „Mir war so.“

[Vorhang]

Manchmal, wenn mir Amalia abends so eine Geschichte erzählt, lachen wir die Nachbarn wach.

Ihr geht's in meinem alten Job also richtig gut. Sie kommt anscheinend gut mit Kollegen und Schreibpersonal klar, und neulich hat sie wohl auch den Chef überzeugt, dass der Briefbogen endlich mal geändert werden muss. Mir ist unklar, was sie getan hat, aber offenbar hat sie Chefchen aufgelockert. Ich habe keinen Plan, was mit ihm passiert ist, aber diese Veränderungen haben, wenn nicht Amalia sie ausgelöst hat, nach meinem Dafürhalten nur zwei Möglichkeiten für Ursachen: Er ist verliebt und/oder hat eine Vorliebe für Kokain entwickelt.

Ich habe eben schon gesagt, dass ich außer Arbeiten und Schlafen vor allem eins mache: Mit Hartmut telefonieren. Das ist natürlich nicht das Einzige. Die Wochenenden verbringen wir fast immer zusammen, und ich genieße das sehr. Er und ich haben uns über die blauen Seiten im Internet kennen gelernt und Mitte Februar das erste Mal getroffen. Er lebt in Berlin und war damals für ein paar Tage in der Gegend, um seine in Krefeld lebenden Eltern zu besuchen. Da baute er dann einen Besuch in Düsseldorf am Samstagnachmittag ein. Aus dem Nachmittag wurden Nachmittag, Abend und Nacht, ich fuhr ihn am Sonntagmorgen zu seinen Eltern, und nachmittags kam er mich wieder besuchen.

Ich fand ihn auf Anhieb sexy, muss aber zugeben, dass ich ihn zuerst für etwas schlicht gehalten habe. Er stottert nämlich ein bisschen, und ich legte seine leichte Sprachschwäche damals als geistige Schwäche aus. Zu allem Überfluss erzählte er mir natürlich noch was davon, dass er ganz klassisch "aus Proll-Verhältnissen" käme.
Das stellte sich geilerweise nach einer Weile als schlichtes Understatement heraus, das ich ja großartig finde. Hartmut ist nicht nur geistig kein bisschen schwach, sondern ganz im Gegenteil hellwach und sehr clever im Umgang mit allem Möglichen. Er hat eine Weile immer erzählt, er kännte sich ja mit Computern nicht wirklich aus, und es mag auch sein, dass er das von sich denkt, aber er macht regelmäßig Sachen damit, die mir noch nie in den Sinn gekommen sind. Habt ihr z. B. schon mal eine Telefonnummer auf Google gesucht? Ich nicht, und ich war begeistert zu sehen, dass mein neuer Partner ein sehr heller Kopf und sehr einfühlsam und umgänglich ist. Hartmut ist rundherum großartig, auch wenn er nicht nachvollziehen kann, dass ich das so sehe.

Die einzige Hürde zwischen uns ist tatsächlich die Sprache. Während ich total verbal bin, sagt er meist nur nach zehnmaligem Fragen, was in ihm vorgeht, und er ist ein Meister der Tagträume. Wie oft sehe ich ihn in die Gegend starren und weiß, dass aber nicht was er gerade denkt.
Er ist mein Ruhepol, ich bin sein Gateway zur Offenheit für Gefühle. Krebs und Zwillinge, richtig angegangen eine harmonische und erfüllende Beziehung.

Seit ich mit Hartmut zusammen bin, chatte ich kaum noch auf den ganzen Internet-Fickplattformen und habe mit der Schwulenszene im Grunde keinen Kontakt mehr. Das war mein Plan. In Düsseldorf hatte ich den ja ohnehin so gut wie nicht, aber auch in Berlin oder Köln waren wir noch nie schwul aus. Braucht im Grunde auch kein Mensch. Es hat mich eh so manches Mal betroffen gemacht, das Szenegetue in Ficklokalen zu sehen, die mich meine Neugier natürlich hat erkunden lassen.

Insgesamt lässt sich also festhalten: Beide Projekte für 2008 (1. neuer Job, 2. neuer Partner) habe in den ersten beiden Monaten erledigt. Wenn ich jetzt nur Zeit zum Zurücklehnen und Genießen hätte! :)

Mittwoch, März 19, 2008

Der öffentliche Personennahverkehr

Liebe Selbstmörder,

es geht Berufspendlern unfassbar auf den Sack geht, dass ihr euch alle Nase lang vor Züge werft, um ein letztes Mal Aufmerksamkeit zu erregen. Ihr findet die Aktion vielleicht cool, aber es nervt gnadenlos, nie pünktlich nach Hause zu kommen, weil mit der Bahn immer irgendwas ist. Mal streikt das Lokführerpack, mal hat sich die Meute trotz Einigung mit Hartmut schon so mit dem Gedanken angefreundet, mit ihren faulen Fettärschen zu Hause zu bleiben, dass sie einen "Notfallplan" machen, der auch nichts anderes als Streik ist. Und natürlich gibt es obendrein die zahllosen Pannen von "technischen Defekts" bis zu Unbefahrbarkeit der Schienen, weil ein paar raffgierige Pisser Kupferleitungen geklaut haben, die der Zug zum Fahren braucht. Steigende Rohstoffpreise sorgen manchmal für sehr skurrile Nebenwirkungen.

Und wenn die Bahn dann doch mal alles richtig macht, was weiß Gott nicht oft vorkommt, hat man immer noch die Rechnung ohne euch gemacht, habt ihr euch so gedacht, hm? "Ich bin so verzweifelt; da spring ich mal vor die S-Bahn." Ich bezweifle zwar, dass es euch danach besser geht, und auch aus dem Umstand, den die Fahrgäste wegen eurer Topidee haben, dürftet ihr wenig Profit ziehen. Aber wenn's euch ach so schlecht geht, darf ja niemand mehr mit Vernunft rechnen. Ja ja, böse Welt. Lieber vor den Zug springen.

Abgesehen davon versetzt euch mal in die Lage eines Lokführers, ihr rücksichtsloses Pack. Der ist sein Leben lang geschädigt, nur weil euch nichts Anderes einfiel, um euch umzubringen. Dabei gibt es so viele tolle Ideen, über die man auch im Internet ganz bequem lesen kann. Und nicht nur das; es gibt sogar einen Preis, der jedes Jahr an diejenigen vergeben wird, denen die Menschheit dafür danken muss, dass sie ihre Gene aus dem Pool gefischt haben:

Die Darwin-Awards!

Ein kurzer Überblick für Interessierte findet sich auch hier.

Und weil einem von euch Vollhobeln wieder nichts Besseres eingefallen ist, darf Amalia jetzt in Gelsenkirchen am Bahnhof stehen. Als hätte die nicht eh schon genug Hals auf die Scheißfahrerei mit Bus und Bahn.

Montag, März 03, 2008

Städterennen 2008: Zwischenstand 1. März

Wir wissen, dass ihr mitfiebert. Wer liegt vorn; wo werden die großen Punkte gemacht? Hat Amalia ihre große Ankündigung mit Usedom oder "Spanien" wahr gemacht? In welchem Stadium ist Pöts große Australien-Reise aktuell?

Nun, offen gesagt stehen bei uns die großen Reisen noch aus. Der Punktestand ist im Moment:

1:1

Ich war im Januar in Saarbrücken und habe Gernot besucht. Der Besuch reichte auch für einen Punkt, auch wenn ich offen gestehen muss, dass ich ja schon einmal -- wenn auch nur relativ kurz -- in Saarbrücken war. Das zählte damals nicht, weil wir nur zum Villeroy & Boch-Shoppen in die Gegend gekommen waren und nur in Saarbrücken übernachtet hatten.

Amalia besuchte dagegen im Februar mit ihrem Freund die Stadt Luxemburg. Er hatte sie natürlich nur mitgenommen, um ihr im Rennen zu helfen. Das wird er eines Tages bitter bereuen, aber ich kann ihm nicht verübeln, dass er, frisch verliebt, wie er ist, jetzt zu jedem Mittel greift, um sie für sich zu gewinnen.

Wirklich traurig ist mir allerdings zu Mute, wenn ich vor der Städterennen-Weltkarte stehe und mir die im Januar hochmütig gesteckten Ziele in Gestalt der schwarzen Fähnchen ansehe. Ein Sechstel des Jahres ist vorüber gegangen, und nur einen Punkt habe ich bislang gemacht. Und nicht nur das: Auch im weiteren Verlauf sind im Moment wenige Punkte abzusehen. Übermorgen starte ich den neuen Job, und große Urlaube sind nicht nur wegen der Probezeit, sondern auch wegen meine trüben Finanzlage derzeit eher tollkühne Gedankenspiele.

Bislang sah ich Amalia dennoch im Nachteil; denn mit ihrem neuen Freund im Gepäck ist sie viel weniger flexibel, kann nicht einfach über ihre freie Zeit verfügen. Da ist die Mark nur noch fünfzig Pfennig wert, und das Wochenende hat schätzungsweise noch drei Stunden Freizeit. Das könnte ich zu meinem Vorteil nutzen und sie gelassen hinter mir lassen. Im Sommer wäre ich nur noch ein Staubwölkchen am Horizont für sie, hatte ich geplant.

Und dann …

tja …

dann traf ich meinen neuen Partner, den wir mal "Hartmut" nennen. Sein Name hat keine Ähnlichkeit damit, aber ich find "Hartmut" als Namen einfach extrageil. Ist so maskulin.

Die ganze Kennenlern-Geschichte erzähle ich gern mal persönlich bei einem Treffen, aber Hartmut ist auf dem besten Weg, zu einem riesigen Hindernis auf meinem glorreichen Sieg im Städterennen 2008 zu werden. Und ich finde das wundervoll.

Samstag, Februar 23, 2008

Bastian Sick mit "Happy Aua" in der Tonhalle

[seufz]

Die meisten von euch kennen Bastian Sick ja schon seit seinem ersten Buch "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod", und dass Herr Sick mit seinen sprachlichen Klugscheißereien auch seit Jahren durch die Gegend tingelt, wisst ihr vielleicht auch.

Meine Schwester schenkte mir vor fast einem Jahr eine Eintrittskarte zu seiner aktuellen "Happy Aua"-Tournee, genauer gesagt zu seinem gestrigen Termin in der Düsseldorfer Tonhalle. Damals dachte ich noch: "Oh Mann, muss der denn so weit in der Zukunft liegen? In der Zwischenzeit könnte mir oder Bastian Sick ein Klavier auf den Kopf fallen, oder die Tonhalle könnte von fanatischen fatalistischen Gegnern der gepflegten Philharmonie in die Luft gesprengt werden." Oder sowas in der Richtung. Aber kurzfristiger war ein Ticket nicht zu kriegen; seine Tour war bis weit in die Zukunft ausgebucht. "Mja gut", tröstete ich mich, "dann wird das ja sicher toll."

Damals machte ich mir keine Gedanken darüber, aber als der Termin in der letzten Woche immer näher rückte, beschäftigte mich der Gedanke immer stärker, die Veranstaltung könnte eigentlich nicht besonders lustig werden, weil ich Bastian Sicks Schriften schon seit Jahren kenne und sich die Materie irgendwann abnutzt. Irgendwann hat man einfach genug über falsch konjugierte Verben und fehlerhafte Werbeaufschriften gelacht, hat sich genug über Rechtschreibfehler aufgeregt und genug Fotos von bescheuerten Namen für Frisörsalons gesehen.

Meine Schwester und ich kamen zur Veranstaltung etwas zu spät, aber das ist eine andere Geschichte. Wir kamen in einer Klatschpause auf unsere Plätze in der ersten Reihe und ließen die Show laufen. Ich hätte gern geschrieben, wir hätten uns mitreißen lassen, aber das wäre nicht nur eine großkarätige Übertreibung, sondern schlicht gelogen gewesen.

Das Programm war nämlich fast punktgenau so öde, wie ich es befürchtet hatte. Mal saß er an seinem Pult, mal lief er auf der Bühne herum, aber er machte halt, was er kann: Deutschunterricht. Weder war das Programm eine richtige Show -- und diese zwei Stunden "Die große Bastian Sick-Show" zu nennen, grenzt an Betrug --, noch waren seine Pointen lustig. Er machte auf der Bühne keine gute Figur, und gelegentlich sahen meine Schwester und ich uns betroffen an, als er wieder einmal etwas Peinliches getan hatte und die Scham auf uns überschwappte. Lustig war die Show jedenfalls für uns beide nicht.

Ich muss allerdings fairerweise dazu sagen, dass ich Bastian Sick auch ziemlich unsympathisch finde und er schon deswegen wahrscheinlich ein schlechtes Standbein hatte. Ich gestehe ihm zu, dass er exzellentes Deutsch und schön pointiert schreiben kann. Auf der Bühne macht er für mich allerdings eher den Eindruck einer etwas hochnäsigen rampenlichtgeilen Tunte. Er könnte außerdem mal wieder zum Frisör. Mittlerweile trägt er die Haare deutlich länger als auf seinem Tourposter. Ist vermutlich jetzt modern; von sowas hab ich ja keine Ahnung.

Aber zum Programm:

Zuerst zeigte er thematisch sortierte Bildeinsendungen mit Rechtschreibfehlern aus seinem "Happy Aua"-Buch. Vieles davon kannte ich schon aus diversen Artikeln auf Spiegel Online. Das mag alles vielleicht in einem Fünf-Minuten-Artikel noch für einen Schmunzler gut sein, aber über eine halbe Stunde gezogen bringt einen die Langeweile zum Weinen. Dazu kamen seine notgedrungen holprigen Übergänge und Einleitungen zu jedem Bild, das natürlich mit keinem anderen etwas zu tun hatte, von groben Sachzusammenhängen wie "Straßenverkehr" oder "Frisörsalon" abgesehen.

Dann gab er seine uralten Ausführungen zu unregelmäßigen Verben und seine vermeintlich komischen Falschbeugungen zum Besten, die ich schon vor Jahren mit Jonathan lustiger gemacht hatte. Zwischendurch las er auch mal den einen oder anderen Artikel, den er vor diversen Jahren geschrieben hatte. Wirklich wahr: Er las Artikel vor. Im Grunde habe ich gar nichts gegen Lesungen, aber offen gestanden hätte ich für seine Artikel lieber einen Sprecher mit großer Stimme. Harry Rowohlt oder so. Von der "großen Show", die der Titel verheißen hatte, konnte nicht die Rede sein.

So plätscherte das Programm vor sich hin, und nach einem kleinen Publikumsquiz zu Sprachfragen wurden wir in die 20-minütige Pause entlassen. In der zweiten Hälfte lief das Elend dann so weiter, bis

ja bis

Bastian Sick zu einem neuen Tiefpunkt ansetzte. Er berichtete, sein Manager hätte ihn vor dieser Tour gefragt, was er denn gern anders hätte, und er hätte ihm gesagt, ein Partner auf der Bühne sei doch was Feines. Meine Schwester tippte mich von der Seite an und sagte: "Pass auf, jetzt holt er eine Bauchrednerpuppe." Ich versuchte derweil krampfhaft, mir Bastian Sick mit einer zweiten Person auf der Bühne vorzustellen, neben der er furchtbar blass wirken musste.
Meiner Schwester fiel wenige Sekunden später die Schminke mitsamt Lippen, Augen und Nase aus dem Gesicht, als er tatsächlich eine Bauchrednerpuppe aus dem Hut zauberte und vor sich auf den Tisch legte. Benny hieß das hässliche Ding, und er begann, uns im vermeintlichen Dialog mit Benny Verballhornungen deutscher Sprichwörter zu präsentieren.

Das allein wäre aber noch nicht so schlimm gewesen, wenn er beim "Bauchreden" wenigstens die Lippen still gehalten oder wenigstens eine andere Stimme für Benny verwendet hätte. Tat er aber nicht. Ich hörte, dass er es versuchte, aber Bennys Stimme klang so wie seine, und die Nummer trieb mir einen neuen Schwall von Scham ins Gesicht, und ich hielt meine Handfläche stellenweise betroffen vor die Augen.

Das (ebenso große) Finale der Show -- wieder einmal sehr holprig und thematisch völlig unpassend -- war ein nur von ihm selbst (sehr wahrscheinlich playback) gesungenes Duett von Mireille Matthieu und Anneliese Rothenberger über die Sonne und den Mond. Aufhänger war, dass im Französischen und anderen Sprachen die Geschlechter von Sonne und Mond genau umgekehrt sind, also der Sonne und die Mond. Etwas unbeholfen stakste er zwischen den Rollen, und während der Gesang selbst nicht so schlecht klang, zermarterte ich mir das Gehirn, wie er seinen Manager zu dieser Nummer hatte überreden können oder wessen Idee sie gewesen war.

Als meine Schwester und ich uns nach der Veranstaltung austauschten, brachte sie nur ein "Es tut mir so leid!" heraus, und ich erschien vielleicht nicht ganz glaubwürdig, als ich sagte, das sei ja alles nicht so schlimm, wir hätten ja wenigstens herzhaft darüber lachen können. Dabei meinte ich das völlig ernst. Gelacht haben wir nämlich im Nachhinein schon über Einiges, das aber eher mit der Darbietung des Programms als mit dem Programm selbst zu tun hatte.

Wir gingen daraufhin in die Altstadt, um uns zu besaufen, und landeten auf ein paar Kaltgetränke im Rosenrot. Da lief sehr schöne funky Musik, und wir wippten mit den Köpfen und unterhielten uns noch eine Weile blendend, bis die Musik zu laut wurde und wir nach Hause liefen.