Mittwoch, November 05, 2008
The Girls At The Gym Hate Us Now
We knew we had to do crazy shit to do lose weight. And we have started, last Monday, at the gym.
Amalia told me a body styling course was up at 7:30 last Monday and that she was going, so I planned accordingly and did weights beforehand. Being at it I noticed, however, that actually it was up at 8:30. The course at 7:30 was an aerobic class. "Aerobic I", it said on the plan, so it was neither the beginners' course nor the super-advanced one where you have to have mastered every move. Having done body styling and some aerobic moves before, I thought I could easily handle it. The world is not enough, right?
So we decided to do aerobic. As we stood in position I noticed that the only other men in the course were two gay guys. It was a course full of girls, and yet I didn't suspect anything. On the contrary, I was standing in first line with Amalia. Beginners should be in the first row so that they learn, right?
So the course started, and very soon we discovered that we did not know all the moves. Actually, some of them were way beyond our capacity. The teacher threw nothing but mono- or bisyllabic words at us, most of which seemed to be clear instructions for everybody, just not for us.
The girls kept going in perfect patterns, it seemed, while at some point Amalia and I started tumbling around like love childs of drunk village idiots and stranded whales. A couple of times I must have almost run into one of the girls next to me who had decided to move into a different direction than I. That bitch.
However, when I asked Amalia somewhere in the middle of the one-hour course whether she wanted to leave, she dismissed, "Nah, we've already made complete idiots of ourselves and annoyed everybody. I'm staying."
That's the spirit!
So we stayed.
The two gay guys actually made me a compliment when the course was over. And I even think that for my first time I didn't do such a bad job.
Too bad nobody appreciated our performance as our first.
But we will be back, harder than ever.
The world will have to deal with us.
Donnerstag, Juni 26, 2008
Mein erstes Fußballspiel
Es war ganz merkwürdig. Ich saß auf Amalias Bett und starrte den klobigen Kasten an, während sie saugte und wischte. Es kam mir sehr kitschig vor. Einmal erwischte ich mich dabei, dass ich ihr sagen wollte, sie solle doch nicht so einen Krach mit dem Staubsauger machen und uns (lies: "mir ") lieber ein Bier holen. Da erschrak ich und schwieg.
Meinen Liebling Metzelder habe ich während des Spiels kaum gesehen, aber man muss offen sagen, dass man ja von dem Spiel insgesamt ziemlich wenig gesehen hat. Die Schuld dafür wurde ja den Österreichern in die Schuhe geschoben. Es hätte einen Stromausfall im Zentralverteiler in Wien gegeben. Dann hätte aber, sagte man später, das Schweizer Fernsehen dankenswerterweise übernommen, aber auch die haben's nicht auf die Kette gekriegt. Ständig Bild und/oder Ton weg. Das hat man davon, wenn man die Leute dort ihre Freistaatmentalität ausleben lässt. Gehörten sie auch offiziell zu Deutschland, hätten wir da eher unsere Finger drauf.
Aber zum Spiel selbst (ich hab ja neulich so klug hier ins Blog geschissen; da weiß ich Bescheid):
Dass Deutschland gewonnen hat, ist echt ein paar wenigen und sehr gut platzierten Leuten zu verdanken. Im Spiel selbst waren die Türken nämlich vor allem in der ersten Halbzeit deutlich überlegen. Zeitweise haben Amalia und ich uns gefragt, ob die Deutschen überhaupt noch mitspielen.
Trotzdem finde ich gut, dass Deutschland gewonnen hat. Ich hab nichts gegen die Türken, aber gegen ihren Foulstil. Und dem Schiedsrichter, der ein klares Foul nicht gesehen hat, mache ich keinen Vorwurf, aber ich empfehle einen Termin beim Optiker.
Mittwoch, Juni 04, 2008
Donnerstag, Mai 01, 2008
Liebe Selbstmörder,
Wenn's euch nicht so gut geht, könnt ihr ja vielleicht mal die Show gucken. Die ist toll. Wenn euch die Mädels gefallen, könnt ihr masturbieren! Das ist toll!
Liebe Grüße
Städterennen 2008: Ende April
Ein Drittel des Jahres ist schon rum, und noch immer stehen wir, wo wir Ende Januar standen.
Es steht 1 : 1.
Unsere großen Pläne, die Welt zu erobern, laufen zögerlich an. Nix mit Tokio, Stockholm, Sydney, Melbourne, Dubai, Jakarte, Singapur und so weiter.
Amalias Punkt: Luxemburg (Hauptstadt)
Mein Punkt: Saarbrücken (Hauptstadt des Saarlandes)
Aber mein nächster Punkt ist in der Pipeline: London! Da fliege ich Anfang Juli für ein verlängertes Wochenende hin. Und ich sage Amalia natürlich nichts davon, aber fürs Jahresende habe ich noch zwei Joker in der Tasche: Schwerin und Magdeburg. Keine wirklich schillernden Punkte, aber Punkt ist Punkt. Und weil mich die Städte eigentlich nicht interessieren, mache ich die Ausflüge dahin erst gegen Jahresende, wenn ich Amalia gar nicht mehr anders besiegen kann.
Das kommt davon, wenn man Spaß hat
Diesen Eintrag habe ich im ICE von Köln nach Berlin am vorletzten Freitagabend begonnen, aber aus Zeigründen nicht fertigschreiben können. Wahrscheinlich habe ich nach der Arbeitswoche lieber ein paar House M.D.-Folgen gucken wollen. Es gibt sogar bei mir Zeiten, in denen ich keine Energie mehr für Kreatives habe, in denen ich nur noch konsumieren und das Hirn baumeln lassen möchte. Also füge ich jetzt erst mal an, was ich da im Zug geschrieben habe, und mache dann fertig.
Also los in unsere Zeitreise-Zauberkugel!
[snip] [wwWWFFFUSCH] [glitzer]
Und schon wieder eine Woche rum, Wochenende dafür vor mir. Das erste große Projekt im neuen Job ist fertig, und meine Chefs sind sehr zufrieden mit dem Bericht, den ich abgeliefert habe. Ich gebe zu, dass auch ich ihn ziemlich ordentlich finde. Stark 50 Seiten gebunden und 9-Pixel-Schrift, das wird beim Kunden Eindruck machen. Mal sehen, von welchen Datenvorkommnissen sie gar nichts wissen, und ich bin gespannt, wie sie finden, dass ich den Vertrag mit ihrem ach so geilen Bonusprogrammbetreiber verrissen habe. Ich könnte aber auch gefahrlos eine respektable Summe darauf wetten, dass diese Bude DJ Ötzi für den Datenschutz angestellt hat. Ein Vertrag, der seinen Namen trägt!
Dass ich so lang keinen Blog-Eintrag geschrieben habe, dürft ihr übrigens als ein Zeichen für zwei Symptome auffassen:
Erstens ist meine Arbeitswoche ist belegt mit Arbeit, Schlafen, Essen, ein- oder zweimal in der Woche Sport und mit meinem großartigen Mann telefonieren, den wir der Pseudonymität halber mal Hartmut nennen. Nicht weil sein Name so ähnlich klingt, sondern weil ich es sexy fänd, einen Mann mit einem derart maskulin klingenden Namen zu haben. Wo wir gerade dabei sind: Habe ich eigentlich mal erwähnt, dass ich mir vor knapp drei Jahren, als ich in meine Wohnung gezogen bin, mal überlegt habe, ich könnte mit einem Kasten Bier zu der nahe gelegenen Polizeiwache gehen und die Jungs dort fragen, ob sie Bock auf ne Uniformparty haben?
Zweitens genieße ich sehr, wie es im Moment ist. Zum ersten Mal seit … hm … überhaupt habe ich das Gefühl, an der richtigen Stelle zu sein. Im Job, in der Partnerschaft und halt in allem, das da so dranhängt.
Übrigens: Wenn ich sage, dass ich fast nur noch arbeite, klingt es aus zwei Gründen viel schlimmer, als es ist (Ich stehe im Moment volle Kanne auf Aufzählungen. Rockt!).
Erstens habe ich neben meinem Job als Datenschützer auch noch den neuen Dozentenjob an der privaten FH in Köln, was ich schon lang machen wollte, und zweitens macht mir überhaupt die ganze Arbeit einen Heidenspaß. Das geht so weit, dass ich mir auf meinen regelmäßigen Zugfahrten nach und von Berlin meinen Laptop schnappe und arbeite. Wie schnell und konzentriert ich da Lehrmaterial für die kommende Woche zusammenklatsche, schockt meinen Dozentenpartner glaube ich etwas, aber damit kann ich leben. Er muss dann halt mit meinen PowerPoint-Folien unterrichten, der Arme. :)
Auch Amalia geht es wunderbar in meinem alten Job. Ich habe keine Idee, was sie getan hat, aber sie hat meinen Ex-Chef anscheinend locker gemacht. Zwei Jahre war ich in der Kanzlei gewesen und hatte ihn immer als überkorrekt und etwas verklemmt wahrgenommen. Als ich ihm im Januar ankündigte, dass ich aufhören würde, bat er um ein Gespräch nach der Arbeit, um meine Motive zu erfahren. In etwa zwei Stunden legte ich ungefähr alles auf den Tisch, was mir an der Kanzlei nicht gefiel, hoffentlich ohne dabei unfair oder unhöflich zu werden. Jedenfalls war ich sehr deutlich und gleichzeitig sicher, dass ich ihm damit alles an die Hand gegeben hatte, um meine letzten Wochen in der Kanzlei zur Hölle zu machen.
Aber nach dem Gespräch bedankte er sich noch -- völlig unaufgefordert. Die folgenden Wochen geschah waren ganz im Gegenteil recht angenehm. Nachdem ich zwei Jahre dort verbracht und immer das Gefühl bekommen hatte, dass ich nichts richtig mache, ließ er plötzlich keinen Tag aus, ohne mir zu sagen, jetzt zöge das Geschäft doch richtig an, und ausgerechnet jetzt wollte ich gehen.
An einem meiner letzten Tage in der Kanzlei sah ich die ersten Zeichen der Veränderung in ihm. Er saß auf seinem Stuhl am Schreibtisch, und während wir überlegten, wie in einer Sache vorgegangen werden sollte, schob er sich auf dem Stuhl mit den Füßen zurück und hakte seine Schuhabsätze auf der Tischkante ein. Ich schwöre bei Gott, so etwas hatte ich bei ihm noch nie gesehen.
Amalia erzählt mir regelmäßig äußerst bizarre Geschichten von ihrem Arbeitsalltag in der Kanzlei. Der einst überkorrekte Chef hat zwei neue Wörter gelernt, und ich bin gleichzeitig überrascht, etwas schockiert und stolz, sagen zu müssen, dass er sie wahrscheinlich von mir gelernt hat:
„Scheiße“ und „Arschloch“
Erst muss es ihm selbst noch merkwürdig vorgekommen sein, diese Wörter zu sagen, aber mittlerweile hat er anscheinend sein Ventil zur Aggressivitätsbewältigung darin gefunden. Hat wieder ein nerviger Mandant angerufen? Dann kann man ziemlich sicher sein, dass er das eine oder andere Wort mehrfach ins Büro ruft und sich dann etwa folgende Unterhaltung zwischen ihm und der im Nebenbüro sitzenden Amalia abspielt:
Er: „Was für ein Arschloch!“ [10 Sekunden Pause] „Arschloch!“
Amalia: „Wie bitte?“
Er: „Hab ich was gesagt?“
Amalia: „Mir war so.“
[Vorhang]
Manchmal, wenn mir Amalia abends so eine Geschichte erzählt, lachen wir die Nachbarn wach.
Ihr geht's in meinem alten Job also richtig gut. Sie kommt anscheinend gut mit Kollegen und Schreibpersonal klar, und neulich hat sie wohl auch den Chef überzeugt, dass der Briefbogen endlich mal geändert werden muss. Mir ist unklar, was sie getan hat, aber offenbar hat sie Chefchen aufgelockert. Ich habe keinen Plan, was mit ihm passiert ist, aber diese Veränderungen haben, wenn nicht Amalia sie ausgelöst hat, nach meinem Dafürhalten nur zwei Möglichkeiten für Ursachen: Er ist verliebt und/oder hat eine Vorliebe für Kokain entwickelt.
Ich habe eben schon gesagt, dass ich außer Arbeiten und Schlafen vor allem eins mache: Mit Hartmut telefonieren. Das ist natürlich nicht das Einzige. Die Wochenenden verbringen wir fast immer zusammen, und ich genieße das sehr. Er und ich haben uns über die blauen Seiten im Internet kennen gelernt und Mitte Februar das erste Mal getroffen. Er lebt in Berlin und war damals für ein paar Tage in der Gegend, um seine in Krefeld lebenden Eltern zu besuchen. Da baute er dann einen Besuch in Düsseldorf am Samstagnachmittag ein. Aus dem Nachmittag wurden Nachmittag, Abend und Nacht, ich fuhr ihn am Sonntagmorgen zu seinen Eltern, und nachmittags kam er mich wieder besuchen.
Ich fand ihn auf Anhieb sexy, muss aber zugeben, dass ich ihn zuerst für etwas schlicht gehalten habe. Er stottert nämlich ein bisschen, und ich legte seine leichte Sprachschwäche damals als geistige Schwäche aus. Zu allem Überfluss erzählte er mir natürlich noch was davon, dass er ganz klassisch "aus Proll-Verhältnissen" käme.Das stellte sich geilerweise nach einer Weile als schlichtes Understatement heraus, das ich ja großartig finde. Hartmut ist nicht nur geistig kein bisschen schwach, sondern ganz im Gegenteil hellwach und sehr clever im Umgang mit allem Möglichen. Er hat eine Weile immer erzählt, er kännte sich ja mit Computern nicht wirklich aus, und es mag auch sein, dass er das von sich denkt, aber er macht regelmäßig Sachen damit, die mir noch nie in den Sinn gekommen sind. Habt ihr z. B. schon mal eine Telefonnummer auf Google gesucht? Ich nicht, und ich war begeistert zu sehen, dass mein neuer Partner ein sehr heller Kopf und sehr einfühlsam und umgänglich ist. Hartmut ist rundherum großartig, auch wenn er nicht nachvollziehen kann, dass ich das so sehe.
Die einzige Hürde zwischen uns ist tatsächlich die Sprache. Während ich total verbal bin, sagt er meist nur nach zehnmaligem Fragen, was in ihm vorgeht, und er ist ein Meister der Tagträume. Wie oft sehe ich ihn in die Gegend starren und weiß, dass aber nicht was er gerade denkt.
Er ist mein Ruhepol, ich bin sein Gateway zur Offenheit für Gefühle. Krebs und Zwillinge, richtig angegangen eine harmonische und erfüllende Beziehung.
Seit ich mit Hartmut zusammen bin, chatte ich kaum noch auf den ganzen Internet-Fickplattformen und habe mit der Schwulenszene im Grunde keinen Kontakt mehr. Das war mein Plan. In Düsseldorf hatte ich den ja ohnehin so gut wie nicht, aber auch in Berlin oder Köln waren wir noch nie schwul aus. Braucht im Grunde auch kein Mensch. Es hat mich eh so manches Mal betroffen gemacht, das Szenegetue in Ficklokalen zu sehen, die mich meine Neugier natürlich hat erkunden lassen.
Insgesamt lässt sich also festhalten: Beide Projekte für 2008 (1. neuer Job, 2. neuer Partner) habe in den ersten beiden Monaten erledigt. Wenn ich jetzt nur Zeit zum Zurücklehnen und Genießen hätte! :)
Freitag, Februar 22, 2008
Party mit totem Neger
Den Namen hat das Stück daher, dass im (nie zu sehenden) Eingangsbereich des Hauses, das im nicht besonders edlen Bahnhofsviertel liegt, ein ermordeter Schwarzafrikaner liegt und dessen Mord als Aufhänger für die ganze Frage nach dem Sinn des Lebens dient.
Die Frau ist im Stück die ganze Zeit auf Koks und redet wirres Zeug über Einheit im Leben, Kinder machen und die gelbe Suppe, die machen kann, dass alles so bleibt, wie es ist.
Wir mussten besonders lachen, als die drei einmal Händchen haltend im Kreis stehen und die Kokstante für alle drei ein Gebet mit den Worten "Liebe gelbe Suppe" beginnt. Aber auch sonst hat das Stück diverse Lacher zu bieten, wenn man's derb mag.
Ein schöner Spaß!
Mittwoch, Februar 20, 2008
I love you
Dieses Bild bietet sich mir in Essen in der Nähe der Kanzlei. Ich stelle mein Auto morgens davor ab.So lobe ich mir den Start in den Tag.
À propos Start in den Tag:
Amalia fängt heute in unserer Kanzlei an, meinen Job zu übernehmen. Ich arbeite sie ab heute ein, und ab Anfang März bin ich dann bei Data Elements in Düsseldorf. Prost!
Dienstag, Januar 29, 2008
Amalia, Marcus, Markus und die Einzugsparty
Amalia und ich lieben einander und wollen nie wieder auseinander gehen. Ich persönlich möchte auch nicht auseinandergehen -- deshalb achte ich auf meine Ernährung --, aber das ist ein anderes Thema. Wir lebten über ein halbes Jahr auf 35 m² in einer Einzimmerwohnung, kein Streit, nicht mal eine echte Auseinandersetzung. Unser größtes Problem war, dass wir kaum Schlaf bekamen, weil wir jeden Abend bis tief in die Nacht lachen mussten. Selbst wenn es um das heiß umkämpfte Städterennen ging, machten wir uns fast ein vor Lachen.
Aber wir hatten kein Gästezimmer und zu wenig Platz für Klamotten. Deshalb mietet Amalia jetzt die schnittgleiche Wohnung über mir. Die hat Parkett und ist tiptop renoviert.
Vor zwei Wochen hatte sie dann ihre "Einzugsparty", und das darf man in diesem Zusammenhang auch total wörtlich nehmen. Als die ersten Gäste kamen, führte ich sie nach oben, schloss die Tür auf und begann dann, die ersten Möbel hineinzutragen. Das erste war glaub ich der Vorhang. Amalia war unten und bereitete was zu essen vor, glaube ich.
Wir saßen also am Mittwoch vor zwei Wochen oben in unserem "zweiten Wohnzimmer", wie wir gern sagen, und es war ziemlich ungemütlich, weil der Schall von den kahlen Wänden fast eins zu eins zurückgeworfen wurde.
Diese "Party" war aber so überhaupt nicht geplant gewesen. Amalia hatte sie aus einer Notlage heraus hastig zusammenorganisiert. Etwas sehr Witziges war nämlich passiert. Also witzig für mich, für sie nicht so.
Sie hatte am Abend vorher dem Marcus in Oberkassel, den ich immer den "C-Markus" nenne, eine SMS schicken wollen, ob er Lust hätte, auf ein Bier in ihre neue Wohnung zu kommen. So schickte sie die Nachricht auch an Marcus, aber an den falschen, nämlich denjenigen, den sie vor Monaten mal gedatet hatte, der auch sehr nett, aber auch zu dick war, dessen Nummer sie nur noch deswegen im Handy gespeichert hatte, weil sie vorbereitet sein wollte, falls der noch mal anriefe.
Er hatte sie offenbar sehr gemocht und schrieb nun zurück: "Ja klar, komme gerne vorbei!" Oder so ähnlich. Amalia schaut aufs Handy und begreift, was sie getan hat. Ihre Augen und ihr Mund weiten sich vor Schreck: "Ooooooooooh!"
Aber jetzt wird's erst lustig. Statt ihren Fehler einzugestehen und dem dicken Marcus zu sagen, dass es ein Versehen war, lädt sie noch mehr Leute ein und macht eine Party aus der ganzen Sache. Sie hatte im Fachanwaltskurs schon einmal von diesem damaligen Date mit Marcus berichtet, aber den Namen wohl nicht genannt. Würde sie jetzt aber den anderen Gästen Marcus vorstellen und eine kurze Zusatzinfo geben, wäre allen klar, wer das denn da ist, und alle würden einander kennen, nur Marcus nicht. Der würde nur nach Strich und Faden vorgeführt und ginge vermutlich irgendwann im besten Fall gelangweilt, im schlimmsten Fall geprügelt wie ein reudiger Hund nach Hause. Es war das perfekte Material für einen großen Hollywood-Showdown.
Am nächsten Morgen redete ich Amalia ins Gewissen, sagte ihr, es sei Marcus gegenüber sehr unfair, und wenn sie ihn nicht wiedersehen wolle, solle sie lieber direkt ihren Fehler zugeben, als Marcus auch noch vorzuführen und bloß zu stellen. Das tat sie eine Stunde später auch. Er war bestimmt angepisst, aber es war für alle das Beste.
Die Party war natürlich immer noch sehr improvisiert, aber es war gemütlich.
In den letzten zwei Wochen habe ich vor allem eins getan: meine ganzen überflüssigen Möbel in "Amalias Wohnung" abgestellt. Mein Kellerraum sieht viel besser aus jetzt, und "meine Wohnung" wirkt aufgeräumt, geradezu leergefegt. Sie richtet sich da oben jetzt erst einmal ein, und dann sehen wir weiter.
Um einem Missverständnis vorzubeugen: Wir haben jetzt zwei Wohnungen, sind da aber nicht so possessiv unterwegs. Wir sprechen auch immer nur aus Versehen von ihrer und meiner Wohnung, sagen stattdessen immer, dass wir jetzt oben oder unten sind, dass wir ein Extrazimmer haben und so weiter. Klar denken jetzt alle, Amalia wird auch in "ihrer" Wohnung schlafen. Das ist aber natürlich an sich erst mal Unsinn. Wir wollten ja nur einen Schlafplatz für Freunde, ein Gästeklo und eine Gästeküche haben. Und "ihr" Klo hat sogar eine richtige Lüftung; da können wir also ganz ausgezeichnet defäzieren und erbrechen. Und natürlich ist da oben jetzt viel Platz für Klamotten. Dass wir den Platz jetzt haben, heißt aber nicht, dass sie da oben jetzt immer schläft. Manchmal macht sie das natürlich, wenn sie bis tief in die Nacht Bücher herumräumt oder verzweifelt vor der Städterennen-Weltkarte steht.
Letztes müsste sie aber gar nicht machen. Ich mach in meiner aktuellen Finanzsituation eh keine großen Sprünge. Da fasse ich lieber mal Frankfurt, Hamburg und Nürnberg ins Auge.
Donnerstag, Januar 03, 2008
Das große Städterennen 2008
Meine Bilanz für 2007:
- Zürich (die Regel war damals noch: mindestens 100.000 Einwohner)
- Wien
- Houston
- Oklahoma City
- Amsterdam
- Bonn
Knapp daneben, aber auch vorbei:
- Montbéliard
- Winterthur
- Palm Springs
- Ergoldsbach (Bayern; okay, das ist wirklich weit vorbei)
Amalias Bilanz für 2007 lassen wir der Fairness halber weg.
2008 wird aber wohl kein so leichtes Spiel für mich sein. Sie ist jetzt in Lohn und Brot, bezieht bald ihre eigene Wohnung (kann dann zwei Klos putzen), und mir ist bewusst, dass sie selbstsüchtig und berechnend meine Kontakte nutzt, um weitere neue Städte zu sehen. Diese Waffe weiß ich auch einzusetzen, aber es wird am Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden.
Gestern Abend, an unserem ersten gemeinsamen Abend in diesem Jahr, fand die große Kriegsbesprechung statt. Die Regeln wurden neu festgelegt.
Für das Städterennen 2008 gilt:
- Als Stadt gilt nur ein Ort mit mindestens 500.000 Einwohnern.
- Die Hauptstädte von Zwergstaaten wie Marokko oder Costa Rica gelten auch als Stadt.
- Popelinseln wie Usedom (hat 76.500 Einwohner!) gelten auch als Stadt. Diese Regel habe ich nur unter einem abkanzelnden Stöhner akzeptiert.
- Kurzbesuche (z. B. für den Besuch eines Musicals) gelten nicht als Besuch.
Amalias Peilung für 2008:
- Amsterdam (sie nutzt hier meine Kontakte aus)
- Costa Rica (Überraschung; wofür sonst haben wir wohl die Ausnahmeregel)
- "Spanien" (wo auch immer diese Katha wohnt; die wohnt mit ihrem Mann wahrscheinlich nicht in einer Stadt nach unserer Definition, ha!)
- Usedom (was für eine Überraschung, wo sie auf der Regel bestanden hat)
Meine Peilung für 2008:
- London (ich lerne dafür einen ihrer Freunde kennen)
- Hamburg
- Madrid
- Barcelona
- Singapur
- Sydney
- Melborne
- Stockholm
Diese letzte Liste liest sich großartig, oder? Besonders die wirklich weit entfernten Städe klingen nach Haushochsieg. Damit ist das Rennen am Ende wohl doch nicht so knapp. Aber ich kenne Amalia, weiß, wozu sie fähig ist. Ich lehne mich nicht zurück, sondern werde die Liste noch erweitern, schon um sie zu entmutigen. Nirgendwo steht, dass Bluffen verboten ist.
Sie will übrigens nicht mit nach London, weil sie London schon kennt. Das wäre dann ein Punkt für mich und vergeudetes Geld und vertane Zeit für sie. Sie müsste dann meinem immer näher rückenden Sieg ins Auge blicken. Das verkraftet sie nicht. Soll sie halt woanders hingehen. Wer so abgeschlagen ist, darf ruhig eingeschnappt sein.
Und sie hat schon angedroht, aus dem Rennen auszusteigen, wenn ich die Reise nach Australien über Singapur dieses oder nächstes Jahr tatsächlich in Angriff nehme. Das ist natürlich nur ein tölpelhafter Versuch, meinen Sieg zu schmälern. Ich werde bei der Buchung der Flüge berücksichtigen, dass ich auf dem Rückweg eine andere Stadt mit zwei drei Tagen Aufenthalt nehme. Bangkok oder Dubai (1.171.000 Einwohner) oder so. Dann wird sie grün vor Wut.
Let the games begin.
Mittwoch, Dezember 05, 2007
Die unsägliche Après-Ski-Weihnachtsfeier
Weihnachtsfeiern können aber auch ganz große Scheiße sein. Zu diesem Thema kann wahrscheinlich jeder, der schon ein paar Jahre im Geschäftsleben steht, einen Schwank erzählen, so wie ich das jetzt tun werde.
Es kann auch laufen wie bei der Steuerberaterbude, in der ich vor Jahren mal ein halbes Jahr als Anwalt gearbeitet habe. Die überlegte sich im Jahre des Herrn 2005 nämlich etwas ganz Besonderes. Also für mich war das etwas Besonderes. Besonders peinlich nämlich, und mal wieder war es nicht mein eigenes Verhalten, das mir die Schamesröte ins Gesicht getrieben hat.
Man soll seine früheren Chefs nicht schlecht machen, und genau genommen tue ich das jetzt gleich auch gar nicht; denn erstens war ich dort als Freiberufler, zweitens taucht mein "Chef" in dieser Geschichte nicht auf, und drittens ist mir mit Anlauf egal, ob sich jemand wegen dieses Schwankes aus meinem Leben auf den Penis getreten fühlt. Denn -- so wahr mir der Gott helfe, an den ich ohnehin nicht glaube -- was ich berichten werde, ist nichts als die Wahrheit.
Die Steuerberaterkanzlei bestand aus etwa 30 Personen, hauptsächlich Steuerberatern und ihren Angestellten. Die Rechtsanwaltsschiene war winzig und eher schlecht als recht drangeklatscht, obwohl die im Grunde kein Steuerrecht machte. Das Gebäude, in dem die Kanzlei saß, lag im süßen Nichts zwischen Düsseldorf und Essen. Noch ein wenig ländlicher, und man hätte keinen Strom und kein fließendes Wasser mehr gehabt. Es war, als hätte man versehentlich ein Bürogebäude an eine Stelle gesetzt, wo in Wahrheit ein Strohschuppen geplant gewesen war.
Der mit Abstand lautstärkste Partner der Kanzlei war eine Art G. I. Joe. Sehr sportlich, ein Schrank von Kerl mit Meckifrisur und einem tief gefurchten Gesicht, das deutlich eher von Schlägerei als von Steuerberatung zeugte. Mit seinen kantigen Brillen, die alles nur noch schlimmer machten, sah er aus wie das Kind von Ilona Christen und einem Ork aus der Herr der Ringe-Saga.
Er zeichnete sich im Berufsalltag vor allem durch seine rüpelhafte Art aus, die wesentlich zur extrem hohen Fluktuation von Arbeitskräften in dem Laden beitrug. Wer dort arbeitete, war zu jung, alt oder gebrechlich um wegzuziehen, wegen eines Pflegefalls in der Familie an das Kaff gebunden oder masochistisch. Die anderen arbeiteten im Schnitt nur wenige Monate dort.
Es herrschte ein rauer Ton in der Kanzlei, und Teamwork war nicht ihre starke Seite. Niemand wusste, woran jemand anderes arbeitete, und Urlaubsvertretungen waren regelmäßig ahnungslos, wenn Mandanten während der Urlaubszeit ihrer Kollegen anriefen. So wenig alle über die Arbeit ihrer Kollegen wussten, so laut wurden sie dafür zur Sau gemacht. Anschisse vor versammelter Mannschaft hätten in der Tätigkeitsbeschreibung der Arbeitsverträge stehen können. Einmal machte Joe eine Azubi bei einer Betriebsversammlung in der Küche derartig runter, dass sie daraufhin heulend zu einer anstehenden Klausur fuhr. Man bewegte sich mit Anlauf im Bereich Strafanzeige.
(Semi-)Privat gab sich Joe dagegen, so wurde mir kolportiert, betont kumpelhaft, gönnerisch und lustig, zeigte seine Visage in allerlei Vereinigungen und schlug gern mal mit der Faust auf den Tisch, um die Witzigkeit der Situation unter Beweis zu stellen. Wer auch immer ihm Verhalten antrainiert hatte, war vorher bei Bismarck in der Lehre gewesen.
Im Verdacht, ihm diese miesen Manieren antrainiert zu haben, hatte ich schon damals seine Frau. Die sah nämlich nicht nur haargenau so aus wie er, sondern hatte ihm in Sachen schlechten Verhaltens auch noch eine Menge beizubringen. Während er immerhin noch die passenden Krawatten zum Anzug zu finden schien, gab sie sich mit Rollis in Fehlgrifffarben betont sportlich und leger. Ihr verhärmtes Gesicht auf dem sportlich trainierten Körper wurde von einer Nickelbrille geziert, die so tief saß, dass sie den Kopf heben musste, um geradeaus zu sehen, weswegen sie von Natur aus hochnäsig wirkte. Ihr Gesicht sah aus wie das einer Bodybuilderin auf Anabolika, und ihr Körper war auch ähnlich unweiblich, aber total drahtig. Dazu kam ihre krächzende Stimme. Wenn sie sprach, schrie sie eher, um überhaupt einen Ton heraus zu bekommen.
Ihre Manieren waren mit Abstand die schlechtesten, die ich je erlebt habe. Das ist keine Übertreibung. Sie behandelte mich von Anfang an -- unabhängig von ihrem Blick -- mit einer Hochnäsigkeit und Grobheit, die zartbeseiteten Seelen augenblicklich die Pisse in die Augen getrieben hätten. Sie ranzte mich (und andere) ständig an, vermied dabei aber stets Blickkontakt und zwar auch dann, wenn ich in ihr Büro kam oder sie mit mir sprach. Sie drehte sich dann nicht einmal von ihrem Computer weg, obwohl sie mehr als 90° abgewandt war. Sie benutzte gern Sätze wie "Das is doch Scheiße!", natürlich auch dann, wenn sie nicht nur total Unrecht hatte, sondern mein Verhalten in Wahreit das einzig Richtige in der Situation gewesen war oder sie den Fehler selbst verursacht hatte. Wenn sie Letzteres tat, schrie sie am lautesten. Ich wunderte mich, dass sie noch keinen Herzinfarkt bekommen hatte. Der wäre nämlich den Mitarbeitern zu Gute gekommen.
Für den Rest der Geschichte nennen wir sie Gertrud.
Gertrud und Joe ließen regelmäßig im Erdgeschoss des Büros die Fetzen fliegen, stritten sich lautstark und machten Mitarbeiter zur Sau. Wir aus der Rechtsabteilung im zweiten Stock bekamen davon meist nichts mit, aber dass die Stimmung insgesamt ausgezeichnet war, merkte man schon, wenn man zum Kaffeeholen in den ersten Stock ging.
Ich war noch kein halbes Jahr dort; da kam die Ankündigung der Weihnachtsfeier per E-Mail herein. Gertrud kündigte an, dass wir dieses Jahr etwas Sportliches unternehmen würden. Uuuiiii, was für eine Überraschung. Seht her, ich bin total überrascht. Was genau die umwerfende Idee sein sollte, wurde erst noch geheim gehalten und erst am Tag der Feier verlautbart. Aber ich merke natürlich, dass meine verehrte Leserschaft schon jetzt vor Spannung zu bersten droht. Also will ich mal nicht so sein.
Die sportbetonte Weihnachtsfeier fand in der Jever-Skihalle in Neuss statt. Mit dem Bus sollten wir dorthin gefahren werden. Ich zog es aber wegen meiner starken Bindung zur Kanzlei vor, mit dem eigenen Auto zu fahren, um im Ernstfall Alkoholkranke ins Krankenhaus fahren zu können.
Die Skihalle ist ganz in Ordnung. Man kann meinetwegen darüber diskutieren, ob man unbedingt eine viel zu kleine Skihalle mit Kunstschnee bauen muss, in der eingefleischte Skifahrer sich eh nicht austoben können, aber das habe ich hier nicht vor. Skifahren in der Vorweihnachtszeit, na gut. Wir nahmen in der Bar also erst einen Vorglüher und liehen dann Skier und das ganze Gelumpe aus. Rauf mit dem Sessellift, runter, rauf mit dem Lift, runter, rauf, runter. Nun ja, ging schon.
Das anschließende Abendessen war auch in Ordnung. Warmes Buffet; das ließ ich mir schon gefallen. Ich saß als Außenseiter natürlich ganz nah bei den Partnern, auch Joe und Gertrud. Das ist die Arschkarte, die wohl immer an Betriebsneulinge geht. Aber auch das war noch auszuhalten. Ich hatte sogar das Gefühl, ich könnte die Nähe nutzen, um die Atmosphäre und den Umgang endlich etwas aufzulockern. Ist ja nicht so, als hätte es mir Spaß gemacht, jeden Tag Gertruds Launen ausgesetzt zu sein. Vielleicht würde sie mich, wenn sie mich besser kennen lernte, etwas höflicher behandeln. Oder wenigstens freundlicher. Die Hoffnung stirbt als Letztes.
Das dicke Ende kam aber erst noch: die Après-Ski-Party, die in der Halle jede Woche am Freitag- und am Samstagabend stattfindet. Genau mein Ding; was Besseres kann mir an Musik nicht passieren. Ich stehe ohne Gnade auf Wolfgang Petry und DJ Ötzi.
Gott allein weiß, warum ich mich dazu habe breitschlagen lassen, das Auto stehen zu lassen und Alkohol zu trinken. So stand ich jedenfalls irgendwann angetrunken in der Menge von etwa 25 Leuten aus der Kanzlei, umspült von der beschissensten Musik, die Menschenohren je vernommen haben, gepeinigt von einem Feten-DJ, der Geburtstage und allerlei anderen sinnfreien Scheiß durchsagte, genervt und gelangweilt von allem anderen. Après-Ski-Party eben.
An dieser Stelle sei mir noch ein kurzer Exkurs erlaubt, den ich immer erzählen muss, wenn das Thema auf Après-Ski-Partys kommt. Wir reisen dafür zurück ins Jahr 1999, in dem ich einst meinen Geburtstag feierte. Die Party war totale Gülle gewesen, weil fast alle abgesagt hatten. Der Traum eines jeden Gastgebers also. Und die paar Gesichter, die dann doch da gewesen waren, hatten sich schnell verzogen. Amalia -- ja, ganz richtig, meine Mitbewohnerin! -- erzählte etwas von einer Après-Ski-Party, die irgendwo in der Nähe in einer WG stattfände. Mir war nach der misslungenen Party ziemlich egal, wohin wir gingen; also ging ich mit.
Die Party dort war musikalisch aber ziemlich genau so unerträglich, wie ich das auch damals schon vermutet hatte, und deshalb verduftete ich auch bald wieder. Amalia blieb noch eine Weile, und irgendwann müssen die Gastgeber nach einer Après-Ski-CD gesucht und mich im Verdacht gehabt haben, die CD gestohlen zu haben. Sie kannte mich damals schon gut genug, um zu wissen, dass ich so eine CD niemals mitnehmen würde, auch nicht für Geld. Und das sagte sie den Jungs auch.
Après-Ski-CD, au au au.
Jedenfalls stand ich also dann auf der Party in der Skihalle, eingequetscht zwischen den ganzen Kanzleimitarbeitern und beschallt von DJ Ötzi und seinen Freunden. Die Musik war unerträglich laut, und jeder Unterhaltungsfetzen kotzte mich an, weil ich fast bei jedem Satz nachfragen musste und die Antworten immer undeutlich oder zu laut waren. Auch wenn ich mit den Mitarbeitern nicht viel zu tun gehabt hatte, kannte ich die meisten schon vom Sehen.
Irgendwann fiel mir auf, dass ein Typ in der Menge stand, der nicht zu uns gehörte. Das war auffällig, weil wir alle beieinander standen. Sein Outfit war extrageil. Er war etwa 1,90 groß, trug ein schwarzes Hemd mit diagonalen orangenen Streifen, die obersten drei Knöpfe offen, zeigte Brusthaaretoupé und Goldkette, hatte eine Hornbrille auf und eine ordentliche Schenkelbürste unter der Nase. Er sah aus wie eine Parodie auf Sascha Hehn in den Zeiten, in denen er noch Sexfilme machte. Und weil das so war, er direkt neben mir stand und ich schon einiges getrunken hatte, um den Mist auszuhalten, lallte ich irgendwann mit halb offenen Augen zu ihm hoch: "Hiiier, du bis ja geil! Pornobalken, Brusthaartoupé und Goldkettchen. Dich ham se ja wohl original ausm Porno rausgeholt!"
Er sah mich von oben an und erwiderte laut und deutlich: "Noch ein Wort, und ich brech dir das Nasenbein."
Ich begriff, dass er sein Aussehen nicht als Spaß verstand, sondern das Outfit völlig ernst gemeint war. Ich öffnete Mund und Augen weit genug, um den "Wooooww"-Laut wie von selbst herauslaufen zu lassen, und machte dabei mit beiden Händen und weit abgespreizten Fingern mehrere Versuche, Luft in seine Richtung zu schieben. Ganz klar: Hier herrschten andere Sitten, nicht der lockere Umgang, den ich aus Köln gewohnt war.
Aber auch wenn das jetzt nicht glauben mag: Der Höhepunkt des Abends kam erst noch, und ich werde die große Gertrud-Einleitung nicht umsonst gemacht haben. Die stand nämlich auch irgendwann mal in meiner Nähe. Ich hatte mir nicht genug Mühe gegeben, es zu vermeiden. Sie hatte auch schon ordentlich gebechert, und ich hörte sie in der Entfernung immer wieder mit ihrer furchtbaren Stimme krächzen.
Irgendwann stand sie mir gegenüber und krächzte mich an. Jedes Wort eine Qual; sie schrie geradezu, und weil sie schon angetrunken war, war ihren Worten auch inhaltlich nicht mehr viel zu entnehmen. Ich tat mein Bestes, um diplomatisch und höflich zu bleiben, aber sie tat wiederum ihr Besten, meine Bemühungen zunichte zu machen. Und dann ging's los:
"Hää Stiegler", schrie sie mich an, "sind Sie homosexuell?!?"
Was auch immer sie das anginge. Aber wer fragt, soll's hören.
"Ämmmmm jaa? Ö wieso?"
Und da überschlug sich ihre Stimme geradezu und ließ bei meinen Ohren die Sicherungen rausfliegen: "Wieso hamm se das denn nich gesaaaaaagt?!?"
Mein Blick muss eine deutliche Mischung aus Schmerz und Fassungslosigkeit gewesen sein.
"Weil keiner gefragt hat?"
Die deutliche coolere Antwort wäre natürlich gewesen: "Wieso haben Sie mir denn nicht gesagt, dass sie eine Frau sind?" Aber so etwas fällt einem immer zu spät ein. Jedenfalls konnte es nur wenige Gründe geben, warum sie eine derart dumme Frage stellen konnte. Entweder sie hatte gerade viel Geld in einer Wette verloren, dass ich hetero sei, oder insgeheim Pläne geschmiedet, Joe zu verlassen und mich geile Sau zu heiraten. Zweites kann ich sogar gut verstehen.
Aber als wäre die Unterhaltung nicht an dieser Stelle schon auf einem Niveau angekommen, an dem nichts mehr zu retten war, gab sie sich auch damit noch nicht zufrieden, sondern war offensichtlich dann erst richtig in Schwung gekommen. Sie begann eine kaum enden wollende Tirade von Vorwürfen, wie unmöglich ich mich allgemein und ihr gegenüber im Büro verhielte. Nicht nur weil meine Ohren wundgescheuert waren, sondern auch um ihr und mir diese unsägliche Pein zu ersparen, fragte ich sie, ob wir dieses Thema vielleicht besprechen könnten, wenn wir beide wieder nüchtern sind. "Jaaa guut", krächzte sie schrill, "aber dann direkt am Montagmorgen!" -- "Ja okay, können wir machen."
Den Rest des Abends klang diese Schreiunterhaltung noch nach; ich konnte nicht fassen, was Gertrud getan hatte. Sie hatte Stillosigkeit neu definiert, ganz abgesehen davon, dass alle ihre Vorwürfe völlig Stuss waren und sie sich die Realität ganz unglaublich zurechtgebogen hatte. Diese Weihnachtsfeier war ein Paradebeispiel dafür, wie man es auf gar keinen Fall macht, und auch wenn ich heute davon erzähle, treibt es mir eine Schamesröte ins Gesicht, die für Gertrud bestimmt ist.
Um die Geschichte abzurunden: Am darauf folgenden Montagmorgen hatte ich einen Gerichtstermin und konnte deshalb nicht zu ihr gehen, bin danach aber mal zu ihr hin und hab sie gefragt, wann wir denn mal das Gespräch führen wollten, das ihr auf der Party so wichtig gewesen war. Sie zählte allerlei Scheiß als Ausrede auf, warum das jetzt ginge. Sie kniff den Schwanz ein.
Und ich verstand sehr gut. Ich wäre an ihrer Stelle gern im Erdboden versunken.
Ich war insgesamt sechseinhalb Monate in dieser Drecksbude. Eine wertvolle Erfahrung allerdings; vielleicht nicht so schlecht als Berufseinstieg.
Dienstag, November 27, 2007
Nie wieder Glühwein
In Amalias Fall kam der Spruch gestern Abend mit Glühwein. Mit "Gegen neun" hatte sie angekündigt, dass sie später kommen würde. Ich war nach der Arbeit direkt nach Hause gefahren. Nachdem ich das Wochenende in Amsterdam und die Nacht von Sonntag auf Montag bei meinen zwei Busenfreunden aus Bonn verbracht hatte, war ich ziemlich im Sack, und zu allem Überfluss schlich sich offenbar wieder einmal eine Erkältung an, die ich mit frühem Schlafengehen im Keim ersticken wollte.
Ich erledigte gestern Abend also ein paar Kleinigkeiten im Haushalt. Vor allem Bügeln.
Als Amalia um 21:00 Uhr nicht da war, wunderte ich mich nicht. Sie kann tun, was sie will. Und mit wem. Ich bin ihr Mitbewohner, nicht ihre Mutter. Die schickt nämlich hin und wieder handgeklöppelte Babyschühchen aus Kamerun an werdende Mütter in Deutschland, um das lokale Handwerk zu unterstützen. Und sowas würde ich nie tun. Also Babyschühchen schicken. Kamerunisches Lokalhandwerksgewerbe ist schon okay, soweit ich das von hier aus beurteilen kann. Jedenfalls:
Dass Amalia noch nicht zu Hause war, fand ich auch deswegen gut, weil ich ohnehin noch bügelte und das gern fertig haben wollte, bevor sie kommt. Dann würde sie -- so hatte ich mir das ausgedacht -- bemerken, dass ich alles gebügelt hätte, sogar ihre Blusen. Tjahaa, und außerdem lief eh noch eine Heroes-Folge, die ich gucken wollte. Also alles in Butter.
Der Fairness halber muss ich wohl dazusagen, dass sie auch meine Hemden bügelt, wenn sie mal bügelt. Aber sie hasst Bügeln im Vergleich zu mir, und das merkt man auch am Ergebnis. Aber selbst wenn sie nicht bügeln würde, putzt sie immer noch das Klo, das ich ja auch benutze. Manchmal habe ich die stille Angst, dass deswegen irgendwann eine 1,40 Meter große, aus Ghana stammende (die Klofrauengewerkschaft in Düsseldorf ist in ghanesischer Hand, sagte mir Amalia), lesbische, gehbehinderte Schwarzafrikanerin mit Lispelproblem, künstlicher Hüfte und Glasauge in ihrer Rolle als Gleichstellungs- und Rassismusbeauftragte bei mir auf der Matte steht und mich mit Klagen überzieht, weil in unserer Wohnung die Schwarze das Klo putzt. Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte und so weiter, böse Geschichten laufen da.
Aber ich verdränge den Gedanken immer schnell wieder, beruhige mich damit, dass Amalia ja keine Aufenthaltserlaubnis braucht, aus freien Stücken bei mir wohnt und ich immerhin regelmäßig die Küche aufräume.
Hm, aber sie macht wirklich viel im Haushalt. Ich sollte echt aufpassen.
Jedenfalls schloss sie irgendwann gegen Viertel nach neun die Tür auf. Es dauerte ungewöhnlich lang, bis sie es schließlich schaffte. "Ich bin totaal bedrngken", lallte sie schon, als sie etwas unbeholfen durch den Flur torkelte. Als sie nach einer Willkommensumarmung in der Mitte unserer gemeinsamen riesigen Wohnung angekommen war, ließ sie unter einigen Koordinationsschwierigkeiten Tasche und Jacke fallen, würgte noch ein "Ich hab totaaal viel Glühwein getrngkn. Umn jetzt muss ich aufs Klo" heraus und verschwand. Ich kam mir vor wie in einer Will & Grace-Folge.
"Wi waaen auf dem Weihnachtsmarkt und totaaaal viel Glühwein getrunken. Bor nie wieder Glühwein!" Sie glänzte richtig, sogar im indirekten Licht der Tischleuchte, und saß grinsend auf der Couch. "So hast du mich noch nicht gesehen, hm?", fragte sie, fast etwas schüchtern. "Anne hat mich da hingeschleift. Die hat jetzn Dschobb und sofort nachm Kurs mim Saufen angefangen. Bor, ich hab bestimmt zehn Glühwein getrungkng!"
Da sie es nicht kommentierte, ich aber total stolz auf mich war, sprach ich an, dass ich alles gebügelt hätte. Ja, das sei ihr aufgefallen, kam zurück.
Ich drängte ihr etwas Aspirin auf, damit sie heute Morgen überhaupt arbeiten gehen könnte. Sie berichtete von ihrem Abend und ihrem aktuellen Job, der Tatsache, dass sie jetzt eine Woche lang vergeblich gearbeitet hatte, weil die Datei, an der sie arbeitet, übers Wochenende gelöscht worden war, als mich ein Freund anrief. Ich ging ran, obwohl Amalia sichtlich Schwierigkeiten mit alltäglichen Dingen und Koordination hatte.
Es war klar, dass es so kommen würde, aber ich konnte mich kaum auf das Telefonat konzentrieren, weil ich aufpassen musste, dass Amalia klar kam. Ich hatte zwei Aufgaben mit gleich hoher Priorität zu bewältigen, und Telefonieren war so ziemlich anstrengend. Ständig jonglierte ich zwischen Konzentration auf Telefonieren und darauf Achten, dass Amalia sich nichts tut. Der Freund musste auch denken, wir seien jetzt beide durchgeknallt.
Es kam aber doch, wie es kommen musste. Sie setzte sich irgendwann während des Telefonats auf den Rand des hölzernen Wäschekorbes. Der Deckel stand -- ihrer Erwartung zuwider -- offen, weil ich vorher noch Wäsche hineingeworfen hatte. Sie bekundete ihre Überraschung über den offen Deckel mit einem "Uwhaaaaa" und glitt mit ihrem Hintern rückwärts in den Korb, bis nur noch Kopf, Beine und Hände herausschauten.
Hätte ich nicht Angst gehabt, dass sie sich wehgetan hatte, wäre ich vermutlich vor Lachen auf der Stelle umgefallen. Stattdessen bat ich meinen Freund, kurz zu warten, und half ich ihr wieder aus dem Korb; denn ohne Hilfe wäre sie vermutlich über Nacht darin stecken geblieben. Vielleicht hätte sie aber auch einfach noch eine Weile gelacht und wäre dann im Korb eingeschlafen.
Man sagt ja, die meisten Unfälle passieren im Haushalt, aber vorbereitet werden die meisten Unfälle auf dem Weihnachtsmarkt. Das ist ziemlich sicher.
Heute Morgen sagte sie, ich hätte ihre Blusen gut gebügelt.
Gerade noch mal gut gegangen.
Aber vielleicht frage ich Amalia heute Abend noch mal, ob sie sich denn insgesamt wohl bei mir fühlt. Sonst kommt die Gleichstellungslesbe echt noch mal irgendwann.
Dienstag, Oktober 23, 2007
Ja, auf FÜNFUNDDREISSIG QUADRATMETERN!
Sie saß auch da, eine Metisse, eine schokobraune Schönheit mit langem schwarzem Haar und leichtem französischem Akzent. Sie sagte z. B. "Teeleefon" statt "Teelöfon", wie das sonst jeder machte. Was ich als Erstes sagte, weiß ich nicht mehr. "Hallo", vermute ich, oder irgendwas ähnlich Profanes. Ziemlich direkt danach polterte ich dann aber schon mit etwas wie "Nur dass ihr's wisst: Ich bin schwul." daher. So war ich damals. Heute ist mir diese Art sehr fremd, macht mir geradezu Angst, und ich bin sehr kontaktscheu geworden.
Amalia (Spitzname: Maia) (Name von der Redaktion geändert) hieß sie. Wir hatten damals beide in ELSA einen Vorstandsposten. Also jeder einen, nicht einen zusammen. Sie machte Academic Activities, ich Marketing. Das war lustig.
Nach fünf Semestern zog sie nach Berlin, ich nach Bielefeld. Das hätten wir beide viel früher machen sollen; entgegen landläufiger Meinung ist Marburg nämlich ein verfluchtes Dreckskaff voller profilsüchtiger Würste, Spinner, Geisteskranker und von Inzucht gebeutelter Eingeborener. Schon damals scheiterten meine Pläne, Marburg in Schutt und Asche zu legen, nur an meiner Gesetzestreue.
Und Bielefeld war entgegen meinem ersten Eindruck tatsächlich nicht so übel. Dass Berlin sehr gut gewesen wäre, hatte ich damals nicht auf dem Schirm gehabt.
Ich bewunderte Amalia immer für ihre Weltzugewandtheit, traute mich aber selbst nie, den großen Sprung zu machen. Sie war ständig auf dem Sprung, fuhr mit dem Zug fürs Wochenende nach Paris, war hin und wieder bei der Familie in Kamerun und hatte Freunde in fast jeder Großstadt in Europa. Und ich? Ich hatte eine Fernbeziehung in Wolfenbüttel, fuhr regelmäßig mit dem Regionalexpress nach Braunschweig und litt unter dem pöbelnden Abschaum, der immer in Herford ein- oder ausstieg.
Sie erzählte mir irgendwann mal von einer Regel von ihr: Sie wolle so viele neue Städte im Jahr besuchen wie möglich. Ach so ging das! Das konnte ich auch, dachte ich mir, und nahm die Herausforderung an. Dieses Spiel würde sie verlieren, ha! Aus Angst, sie könnte meine Teilnahme als Ansporn sehen, noch mehr reisen und mich gnadenlos abhängen, sagte ich ihr nichts davon. Als Stadt sollte, so definierte ich still und heimlich für mich, nur ein Ort mit mindestens 100.000 Einwohnern gelten. Das würde sie sicherlich auch so sehen und, wenn ihre Regeln eine niedrigere Zahl vorsähen, im Ernstfall Treffer von ihrer Liste streichen.
Es vergingen Jahre, und Examina wurden bestanden. Ich machte meine Wahlstation in Toronto, sie in Paris. Unentschieden. In meiner Zeit in Toronto besuchte ich allerdings San Francisco, Montreal, Manhattan und Buffalo. Sie? Keine einzige andere Stadt, die gezählt hätte. Dingdingdingdingdingding, and we have a winner!
Nach meinem zweiten Examen zog ich nach Düsseldorf; sie war nach Koblenz gezogen. Punkt für mich und Styleabzug für sie. Daran knapst sie heute noch, ha!
Irgendwann, als ich genug Punkte gesammelt hatte, erzählte ich ihr von unserem Wettbewerb, worauf sie mir sagte, dass sie gar nicht möglichst viele neue Städte im Jahr sehen wolle, sondern mindestens eine neue Hauptstadt im Jahr. Die Welt sollte nie wieder sein wie vorher; meine Siege wurden schlagartig zu Unentschiedens. Es blieben mir nur die Erinnerungen an tolle Zeiten. Ich hasse sie noch immer dafür.
Nach ihrem zweiten Examen war Amalia eine Weile arbeitslos. Dieses Schicksal trifft heute sehr viele Juristen nach ihrem Examen. Dafür muss man nicht einmal ein schlechtes Examen machen. Sie bewarb sich hier und da und wollte aus Koblenz weg. Wahrscheinlich um die Punkte wieder wettzumachen, die sie die Koblenz-Zeit gekostet hatte. Und da sie Arbeitsrecht macht, bewarb sie sich bei der Agenturbehörde für Arbeitsbeamte um einen Platz bei einem einschlägigen Fachanwaltslehrgang. Davon ahnte ich nichts.
Die Mitteilung kam am Freitag, dem 20 Juli: Fachanwaltslehrgang bewilligt. Er startet am 26. Juli. In Düsseldorf. Sie rief mich sofort an. Ich stand gerade in der Mittagspause an einer Bushaltestelle, um mein Auto aus der Werkstatt abzuholen. Gott weiß, was mit der Karre schon wieder nicht in Ordnung gewesen war. Es war sehr sonnig und heiß gewesen, und ich schwitzte und fühlte mich in meinem Anzug neben all dem blinden übergewichtigen Fußvolk deplatziert und hatte Angst, bei den Kleidungsfarbverfehlungen auch bald zu erblinden.
Ich sah, dass Amalia anrief, nahm den Anruf an, ließ mir vom bewilligten Fachanwaltslehrgang berichten und wartete ihre Frage gar nicht ab, sondern sagte direkt: "Klar kannst du bei mir wohnen." Bei ihr hatte ich nicht das geringste Bedenken. Sie hatte WG-Erfahrung noch und nöcher. Ich dagegen? Zehn Jahre allein gewohnt. Ob ich überhaupt mit jemandem zusammen wohnen konnte? In zwei meiner Beziehungen hätte ich lieber bei Aldi an der Kasse angefangen, als mit meinem Partner zusammen zu wohnen, und in den beiden anderen wollte der Partner nicht. Bilanz und Tendenz unklar.
Seit Mittwoch, dem 25. Juli wohnt Amalia bei mir. Bei mir = Einzimmerwohnung mit 35 m². Auf der Couch. Da schläft sie natürlich nur; sie darf sich sonst frei bewegen. Ich mache morgens hervorragendes Käffchen, sie oft hervorragendes Abendessen. Sie putzt das Klo, ich bügele und versuche, sie mit Handwerkern zu verkuppeln.
Wenn wir Freunden und Bekannten davon erzählen, dass wir zusammen wohnen, variieren die Wörter der Antworten, aber sie gehen alle in die gleiche Richtung. Und ja, allen Unkenrufen zum Trotze, das ginge doch nicht, wie hielten wir das aus und wir täten der Mit- und Umwelt leid, kommen wir großartig miteinander klar und genießen es. Wir haben nicht zu wenig Platz, es stört uns nicht, im gleichen Zimmer zu schlafen, und keiner von uns hat Ticks, die heruntergeklappte Klodeckel oder nicht gespültes Geschirr betreffen. Das Einzige, was wir beide gern hätten, ist mehr Platz für Klamotten, weil die gern wild in der Gegend verteilt werden.
Klar: Wir können uns nicht irgendwelche Leute zum Vögeln nach Hause einladen. Oder sagen wir genauer: Wir haben's bislang nicht versucht, weil wir nicht wissen, wie der andere darauf reagiert. Aber ich glaube, das Interesse daran ist sehr überschaubar. Es hat jedenfalls bislang keinem von uns Tränen in die Augen getrieben, und bevor es so weit kommt, sprechen wir das ab und weichen auf andere Betten für die Nacht aus. Angebote gibt es; man fühlt also mit uns. Oder man hat Mitleid; das lässt sich oft schwer abgrenzen.
Aber Mitleid ist völlig fehl am Platz, weil wir nicht aus finanzieller Not oder Angst vor Einsamkeit zusammen wohnen. Wir genießen das Miteinander und brauchen nicht mehr Platz. Wenn wir mal mehr haben, ist es auch in Ordnung, aber aktuell fehlt uns nichts außer einer neuen Flasche Campari.
